Aus für Geschäftsführerin von Flughafen Kassel-Calden

Muller zu Vertragsauflösung: "Flughafen hat alle Chancen"

Kassel/Calden. Die Gesellschafter des Flughafens Kassel-Calden haben die Reißleine gezogen und den Vertrag mit Geschäftsführerin Maria Anna Muller aufgelöst. Muller erklärte nun, sie sei weiter davon überzeugt, dass der Flughafen alle Chancen hat, sich in den kommenden Jahren gut zu entwickeln.

Nach der Vertragsauflösung erklärte Flughafen-Chefin Maria Anna Muller, sie habe „gerne für den Regionalflughafen gearbeitet“ und sie sei „nach wie vor davon überzeugt, dass er alle Chancen hat, sich in den kommenden Jahren zu einem anerkannten und etablierten Teil der Verkehrsinfrastruktur in Nordhessen zu entwickeln“.

Darüber hinaus betonte die 54-Jährige, die nur eineinhalb Jahre im Amt war: „Ich hätte gerne meine Aufgabe hier fortgesetzt. Unter den jetzigen Umständen glaube ich aber, dass mein Rückzug aus der Geschäftsführung am besten dazu beitragen kann, die Diskussionen um den Sinn des Flughafens und seine weitere Betriebstätigkeit wieder in eine rationale Dimension zu überführen.“

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Nicht erfüllte Erwartungen und den wachsenden Erfolgsdruck von außen nannte Aufsichtsratschef und Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) am Samstag als Gründe für die Entscheidung. Auf einer Aufsichtsratssitzung am kommenden Mittwoch soll die Vertragsauflösung formal beschlossen werden.

Der Flughafen steht seit seinem Start im April vergangenen Jahres wegen hoher Kosten und geringer Auslastung in der Kritik. Der Neubau des Airports sollte ursprünglich 151 Millionen Euro kosten, schlug dann aber mit 271 Millionen Euro zu Buche. Gesellschafter sind das Land Hessen sowie die Stadt und der Landkreis Kassel und die Gemeinde Calden.

Maria Anna Muller.

Im Winterflugplan standen keine Ferienflieger im Programm. Die nächsten Abflüge sind für April geplant. Im November hatte die aufstrebende Fluggesellschaft Turkish Airlines Linienflüge zwischen Kassel und Istanbul angekündigt. Wann die Verbindung allerdings aufgenommen wird, steht noch nicht fest.

Geplant waren für 2013 rund 100.000 Passagiere. Da sich aber eine Fluggesellschaft wegen Insolvenz zurückzog, wurde nur noch mit knapp der Hälfte des geplanten Aufkommens gerechnet. Für das Jahr 2013 war ein Millionendefizit erwartet worden.

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"Wir wollen nun alles daransetzen, den Regionalflughafen Kassel-Calden wieder in medial ruhigeres Fahrwasser zu geleiten und gleichzeitig die künftige Geschäftsführung mit aller Kraft unterstützen, um das Projekt gemeinsam zum Erfolg zu führen", betonte Schäfer.

Nach Einschätzung der SPD löst das Aus für die Geschäftsführerin die Probleme des Airports aber nicht. Der Austausch von Köpfen reiche nicht, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion, Günter Rudolph. "Wir brauchen dringend einen Wechsel beim Betriebskonzept." Der Oppositionspolitiker warnte vor neuen finanziellen Belastungen durch den defizitären Flughafen: "Da der Vertrag mit Frau Muller noch Gültigkeit besaß, wäre es interessant zu erfahren, welche zusätzlichen Kosten die Steuerzahler für die einvernehmliche Vertragsauflösung nun zu tragen haben." (bho/dpa)

Rubriklistenbild: © picture alliance

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