Gespräch mit Chef Schustereder

Ortstermin Flughafen Calden: Viel Stille, wenig Hoffnung

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Nach wie vor ein seltenes Bild: Fluggäste betreten den Terminal des Airports Kassel-Calden. Zurzeit gibt es wöchentlich je zwei regelmäßige Flüge nach Mallorca und Antalya. Ab November kommt ein Flug nach Fuerteventura hinzu. Fotos: Fischer

Kassel / Calden. Die Stille, die sich Montagmittag während der Pressekonferenz des Flughafenchefs Ralf Schustereder über den jungen Regional-Airport Kassel-Calden legte, war symptomatisch für das Geschehen dort: Während der eineinhalbstündigen Veranstaltung startete und landete nicht eine einzige Maschine.

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Und der erfahrene Luftfahrtmanager, der seinen Job vor elf Wochen erst von der glücklosen Maria Anna Muller übernommen hatte, dämpfte gleich zu Anfang übertriebene Erwartungen. „Ich mache Ihnen keine Hoffnungen, dass wir in fünf Jahren das Niveau Paderborns erreicht haben“, sagte er. Aber er und sein engagiertes Team täten alles, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen, damit der Flughafen akzeptiert werde, versicherte er den anwesenden Journalisten, Fotografen und Kameraleuten.

Für sich genommen werde sich ein Airport – wie im Übrigen nahezu alle europäischen Flughäfen – nicht rechnen. Aber in der volkswirtschaftlichen Gesamtbetrachtung, also unter Berücksichtigung des Beschäftigungseffekts am und rund um den Flughafen sowie durch Steuerzahlungen und Sozialversicherungsbeiträge, schon, sagte er. „Das war bereits am alten Flughafen so, das ist am neuen so, und ich sehe noch erhebliches Potenzial für die Zukunft“, erklärte Schustereder.

Flugziel Balearen: Ein Jet der Germania Air landete am Montag in Kassel-Calden und hob planmäßig am Nachmittag in Richtung Mallorca ab.

Seine vorrangigen Ziele seien zunächst die Stabilisierung des Flugplans sowie die Beseitigung der Unsicherheiten bei Fluglinien, Reiseveranstaltern, Reisebüros und Fluggästen, sagte der 49-Jährige mit Blick auf wiederholte Flugausfälle und Umbuchungen auf Maschinen an anderen Airports. Das hatte zu großem Unmut bei Passagieren und Reisebüros geführt.

Schustereder ist mit seinem Team derzeit dabei, die Vertriebsstrukturen zu überarbeiten. Es werde viel stärker Marktforschung betrieben, um Potenziale auszuloten, Streckenanalysen zu erstellen und gezielt Kundengruppen anzusprechen.

Der Flughafenchef sieht aber nicht nur Potenziale in der Touristik. Entwicklungsfähig seien auch die beiden anderen großen Standbeine: der Geschäftsreiseverkehr sowie die Luftfahrttechnik mit dem Hersteller von Helikopter-Getrieben ZF, der Hubschrauberwerft von Airbus Helicopters (früher Eurocopter) sowie dem Flugzeug- und Teilehändler und Service-Betrieb Piper.

Schustereder bestätigte das 6,8-Millionen-Defizit im vergangenen Jahr, das so auch erwartet worden war. In diesem Jahr sollen es wegen des ganzjährigen Betriebs 8,1 Mio. Euro werden, wobei sich der Flughafenchef vorsichtig optimistisch gab, es unterschreiten zu können.

Der Verlust wird von den Gesellschaftern gemäß ihres Anteils getragen. Das sind das Land Hessen (68 Prozent), Stadt und Kreis Kassel (je 13 Prozent) sowie die Gemeinde Calden (sechs Prozent).

Von José Pinto

Fotos: Erste Pressekonferenz mit neuem Flughafenchef

Erste Pressekonferenz mit neuem Flughafenchef

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