Reaktionen auf Vorstoß von Hessens Wirtschaftsminister Posch zur Calden-Anbindung

Route über Niedersachsen?

Bertram Hilgen

Kassel. Eines ist Dieter Posch (FDP) mit seinem Vorschlag zur Anbindung des Flughafens Kassel-Calden an die Autobahn 7 gelungen: Hessens Minister für Wirtschaft und Verkehr hat überrascht. Viel Zuspruch erhält Posch für seinen Vorstoß allerdings nicht.

Für „definitiv ausgeschlossen“ hält Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) die sogenannte Nordspange. „Jede Variante einer solchen Querspange halte ich wegen der gravierenden Auswirkungen auf die Wohngebiete von Kassel-Wolfsanger wie auch der Nachbarkommunen und der Eingriffe in Natur und Landschaft für unvertretbar.“

Er habe bereits mit Posch über dessen Vorschlag geredet, teilte Hilgen mit. Dabei habe er ihm die ablehnende Haltung der Stadt Kassel deutlich gemacht. Einig sei er sich jedoch mit dem Wirtschaftsminister, dass der Flughafen Kassel-Calden besser angebunden werden müsse. Allerdings komme dafür „wohl nur eine Anbindung des Flughafens an die Autobahn 7 über niedersächsisches Gebiet in Betracht“, sagte Hilgen.

Überrascht zeigte sich Göttingens Landrat Reinhard Schermann über die erneute Debatte. Gegenüber unserer Zeitung kritisierte er, dass er von der Diskussion erst aus der Presse erfahre. „Wenn die Hessen in Niedersachsen etwas planen, müssen sie uns zunächst informieren.“ Schermann weiter: „Offenbar will Nordhessen zu Lasten Dritter eine bequeme Lösung suchen. Das ist eine Rechnung ohne den Wirt.“

Staufenbergs Bürgermeister Volker Zimmermann sieht kaum Chancen für ein solches Projekt. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine neue große Straße durch sensibles Naturschutzgebiet sang- und klanglos hingenommen wird.“ Diese Vorschläge seien schon oft diskutiert worden. Ein Problem seien auch die topographischen Verhältnisse in Südniedersachsen. „Wer will denn schon ein großes Viadukt?“ Es mache viel mehr Sinn, Calden an die A 44 anzuschließen, statt an die A7.

Auf Ablehnung stößt die sogenannte Nordspange auch bei der Kasseler CDU, „wenn dadurch die Lebensqualität in Wohngebieten beeinträchtigt wird“, teilte Oberbürgermeisterkandidat Ernst Wegener mit. In jedem Fall müssten die Belange der Betroffenen berücksichtigt werden. „Wir fragen uns, wie Minister Posch dazu kommt, die Diskussion hierüber erneut zu eröffnen, da zu diesem Projekt keinerlei neue Erkenntnisse vorliegen“, sagte Wegener. Kritik übte die CDU, dass Posch die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie nach wie vor unter Verschluss halte. Daran stört sich auch Bernd Häfner, Oberbürgermeisterkandidat der Freien Wähler. Er forderte Posch auf, mit Niedersachsen über die Anbindung zu sprechen. „Ein Blick auf die Karte macht jedem klar, dass Hessen und Niedersachsen hier schnell eine verträgliche Lösung finden könnten, wenn denn Planungen von beiden Landesseiten aus möglich wären.“

Einer reihte sich nicht bei den Kritikern ein: Caldens Bürgermeister Andreas Dinges (parteilos) meint, dass Kassel und die Gemeinde Fuldatal umdenken sollten. Das richtige Gremium dafür sei der Zweckverband Raum Kassel. Dort könne die Region zu einer Meinung kommen und die Streckenführung diskutieren. Posch hatte vor etwa einem Jahr das Aus für die Nordspange verkündet. Der erneute Vorstoß sei gut, sagte Dinges. (clm/mrß/ems) Archivfotos: Koch, Fischer/nh, privat

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