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"Tante JU" begeistert: Legendäres Flugzeug landete in Calden

Calden. Das legendäre Flugzeug des Typs JU 52 fasziniert noch heute Flugnostalgiker auf der ganzen Welt. So auch am Freitag auf dem Flughafen Kassel-Calden. Wir haben uns die Maschine genauer angesehen und stellen sie und die Besatzung vor.

Ein sehr gern gesehener Gast am Caldener Flughafen: Die Junkers JU 52.

78 Jahre hat sie auf dem Buckel. Eine ganz schön alte Lady. Die faltige, graue Haut aber gibt ihr nicht erst seit sie in die Jahre gekommen ist ihr markantes Aussehen. Für sie nämlich ist „Tante JU“ schon immer bekannt, das Flugzeug des Typs JU 52, das der deutschen Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg als Transportmaschine diente und noch heute Passagiere begeistert. Viele Exemplare gibt es nicht mehr, nur noch ein flugtaugliches der Lufthansa Stiftung in Deutschland, und genau das lässt die Startbahn des Flughafens Kassel-Calden am Donnerstag vibrieren, als Kapitän Axel Graumann nacheinander die Kolbenmotoren für die drei Propeller anwirft und auf das Startsignal aus dem Tower wartet.

16 Passagiere an Bord 

Da wird es laut. Sehr laut. Die 16 Passagieren, mit denen es zum Rundflug gen Edersee und weiter nach Kassel gehen soll, verstehen ihr eigenes Wort nicht mehr, so dominant ist der tiefe, sonore Ton, der die kleine Maschine erfüllt. Als Lärm möchte Graumann das aber nicht bezeichnen, für ihn sind es vielmehr „historisch wertvolle Geräusche, mit denen die meisten Menschen positive Assoziationen verbinden, anders als mit Fluglärm von jaulenden Jettriebwerken“.

Und er hat Recht, zaubert das dumpfe Dröhnen den Passagieren doch tatsächlich schnell ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht, während sie mit ihren Kameras durch die kleinen Fenster fotografieren und jede Bewegung, jedes Ruckeln des alte Schätzchens in sich aufzusaugen scheinen.

Laut, wackelig und mit einer großen Portion Nostalgie: 16 Passagiere haben Platz in der JU 52. Besonders war jedoch nicht nur die Maschine, sondern auch der Blick auf die schöne Landschaft Nordhessens bei den Rundflügen von Calden aus.

Auch Walter Kupka aus Calden ist voller Begeisterung dabei, hat seit Wochen dem großen Ereignis entgegengefiebert. Fliegen ist für ihn eigentlich nichts Besonderes, denn als Außendienstmitarbeiter einer Maschinenfabrik hat er jahrzehntelang die Welt bereist. „Das ist nicht immer so romantisch wie mit der JU, das können sie mir glauben“, sagt der 85-Jährige.

Über zehn Tonnen schwer 

Das wissen auch die Piloten der Lufthansa, die mittlerweile Schlange stehen, um ehrenamtlich die „Grande Dame“ der Luftfahrt fliegen zu dürfen. Axel Graumann, der normalerweise Airbus auf Langstrecken fliegt, genießt jede einzelne Sekunde. „Alles geht mechanisch, und doch hat es Junkers hinbekommen, dass man das Flugzeug mit zwei Fingern fliegen kann.“ Über zehn Tonnen schwer, eine Spannbreite wie eine Boeing 737, sei sie dennoch „ein ganz schön großer Koffer“, der auch mal bocken könne. „Bei Thermik oder Wind nehmen die großen Tragflächen wirklich alles mit, was wir dann vor allem bei Start und Landung ausgleichen müssen, da ist dann auch mal Muskelkraft gefragt.“

Fotos vom Flugzeug in Calden

Legendäres Flugzeug des Typs JU 52 am Flughafen Calden

Ansonsten werde die JU geflogen wie jedes andere Flugzeug auch, nur ohne die Unterstützung von Computern eben. Das sorge für ein sehr direkte Flugerlebnis, das gepaart mit diesem besonderen Spirit der alten Lady einfach faszinierend sei - für Passagiere und Besatzung gleichermaßen.

Von Sascha Hoffmann

Rubriklistenbild: © Hoffmann, Sascha

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