Ferien verlängern kann teuer werden

Schulschwänzer aufgepasst: Was Eltern an Flughäfen in Kassel und Frankfurt droht

+
Junge beim Check-in auf dem Flughafen München: Gezielte Kontrollen gibt es am Kassel Airport nicht. Dennoch könnte es für Familien, die ihre Ferien verlängern wollen, teuer werden.

Kassel/Hannover. An Flughäfen in Bayern erwischte die Polizei 21 Familien beim Schuleschwänzen. Kontrollen gibt es in Kassel, Frankfurt und Hannover zwar nicht, erwischt werden kann man dennoch.

Aktualisiert um 14.30 Uhr - An Flughäfen in Bayern wurden vor dem Pfingstwochenende Familien kontrolliert: In 21 Fällen ließen Eltern ihre Kinder die Schule schwänzen, um früher in den Urlaub fahren zu können. In Nürnberg waren es elf Familien, in Memmingen zehn. Beim Schwänzen handelt es sich zwar nicht um eine Straftat, aber um eine Ordnungswidrigkeit – bei den zuständigen Landratsämtern ist daher Anzeige erstattet worden. Den Eltern droht nun ein Bußgeld.

Gezielte Kontrollen wie in Memmingen und Nürnberg gibt es an den Flughäfen nahe unserer Region nicht. Weder von der Landes- noch von der Bundespolizei. „Bisher wurden keine Kontrollen durchgeführt – und das ist auch nicht geplant“, sagt Pressesprecher Jürgen Wolf von der Polizei Kassel. Auch seitens des Hessischen Kultusministeriums sind keine gezielten Kontrollen vorgesehen, sagt Pressesprecher Stefan Löwer. 

Erwischt werden können Familien an Flughäfen in Hessen oder Niedersachsen dennoch. Die für die Flughafensicherheit zuständige Bundespolizei muss Ordnungswidrigkeiten wie das Schuleschwänzen zwar nicht verfolgen. Sollte ein Bundespolizist aber auf einen solchen Fall stoßen, liege es an ihm, ob er einen Bericht darüber schreibe sowie Schule und Schulamt informiere, das sagt Pressesprecher Reza Ahmarie von der Bundespolizei in Frankfurt.

„Wenn beispielsweise ein Kind bei der Grenzkontrolle ruft, es habe eigentlich noch zwei Tage Schule, haben wir natürlich einen Anfangsverdacht“, erläutert Pressesprecher Jörg Ristow von der Bundespolizei Hannover. Diesem Verdacht werde nachgegangen. 

Die Eltern müssten dann damit rechnen, dass die Polizei das Schulamt sowie die Schule über den Fall informiere. Das Schulamt wiederum könnte dann ein Bußgeld verhängen - und das ist rund um die Ferienzeit deutlich höher als an anderen Tagen.

Wie teuer ist es, die Schule zu schwänzen?

Die Schulpflicht gilt in Deutschland seit dem Jahr 1919. Wer dagegen verstößt und seine Kinder unrechtmäßig vom Unterricht fernhält, muss mit einem Bußgeld rechnen. Je nach Bundesland kann die Höhe variieren. In Hessen liegt das Bußgeld laut Löwer normalerweise bei 7,50 bis 10 Euro pro Tag. Vor und nach den Ferien sind es allerdings sogar 100 Euro pro Tag, an dem das Kind unentschuldigt fehlt. Ab sechs Tagen und mehr müssen Eltern 150 Euro pro Tag zahlen.

Jährlich führt das Schulamt in Kassel laut Leiterin Helga Dietrich etwa 350 Bußgeldverfahren wegen unentschuldigten Fehlens durch. In drei bis sieben Prozent der Fälle geht es um eigenmächtiges Verlängern der Ferien. 

Können Eltern ihre Kinder legal beurlauben lassen?

Eine Beurlaubung der Kinder kann laut Dietrich durch die Eltern beantragt werden - auch vor oder nach den Ferien. Sie brauchen dafür allerdings "besondere Gründe". Pro Schuljahr werden einer bis drei solcher Anträge bewilligt. "Die Ferienzeit verlängern oder gar günstigere Buchungsbedingungen erhalten zu wollen, sind allerdings keine besonderen Gründe", betont Dietrich. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.