Diskussionsvorstoß

Flut an Fernbussen in der Stadt: Zentralen Busbahnhof gefordert

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Mehr Verkehr: Fernbusse, die mehrmals am Tag den Busbahnhof am IC-Bahnhof anfahren und von dort weiterfahren, führen zu Belastungen der Anwohner, wenn sie durch zum Teil enge Straßen fahren. Foto: Koch

Kassel. Schluss mit „hundert Busbewegungen pro Tag durch die Ludwig-Mond-Straße, die Schönfelder Straße und die Wilhelmshöher Allee von der Autobahn zum IC-Bahnhof und zurück“. Das fordert der Ortsvorsteher von Wehlheiden, Norbert Sprafke (SPD). Sein Vorschlag: ein zentrale Busbahnhof nahe der Autobahn.

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Die Busse bedeuteten eine „enorme Belastung für die Anwohner“. Auch für die Buskunden und -unternehmen sei es nicht sinnvoll, dass sich die Busse durch die Straßen quälen müssen, sagt Sprafke. Auf der Kreuzung Wilhelmshöher Allee/Schönfelder Straße entstehen durch die großen Busse oft gefährliche Situationen. Ein Busbahnhof in der Nähe der Autobahn könne deshalb nur im Interesse aller sein.

Hintergrund ist die 2013 in Kraft getretene Öffnung des innerdeutschen Fernverkehrs für Buslinien, woraufhin auch in Kassel Fernbusunternehmen Stopps einrichteten.

Sprafkes Idee ist indes nicht neu: Auch im Kasseler Rathaus hat man sich bereits auf die Suche nach einem neuen Standort für den Fernbusbahnhof gemacht. Er soll näher an der Autobahn liegen und gleichzeitig für die Kunden gut erreichbar sein. Um Kassel für Busfirmen als Haltepunkt attraktiver zu machen und trotzdem die Stadt nicht durch weiteren Verkehr zu belasten, habe eine Prüfung von Alternativen begonnen. Eine Idee, die im Raum steht, ist der Standort Auestadion.

„Wir sind dabei, den Bedarf der Busunternehmen und mögliche Standorte zu prüfen“, sagt dazu ein Sprecher der Stadt. Dabei spielten Verkehrs- und Platzfragen eine Rolle. Zudem müsse das Gelände umgewidmet werden können.

Norbert Sprafke

Gegenüber der HNA hatte ein Sprecher von „Berlin Linien Bus“ gesagt: „Für uns ist nur wichtig, dass der Kunde leicht zur Haltestelle gelangt. Dafür quälen wir uns, wenn es sein muss, auch mit den Bussen durch die Stadt.“

Sprafkes Kritik geht über den Standort des Fernbusbahnhofs hinaus: Die Liberalisierung des nationalen Busfernverkehrs habe zu einer ungebremsten Zunahme von Busunternehmen, Reisezielen und Busfernverkehrslinien mit hoher Taktfrequenz geführt, sagt er. Während die unmittelbare Konkurrentin Deutsche Bahn für die Benutzung des Bahnnetzes zahlen müsse, könnten die Busunternehmen die Autobahnen kostenlos nutzen. Das sei nicht fair. „Busverkehr muss deshalb nach einer Übergangszeit, um den Markteintritt des Busverkehrs zu ermöglichen, wie international üblich mautpflichtig werden wie der LKW-Verkehr“.

Die Einnahmen könne man im Gegenzug in From eines Infrastrukturfonds des Bundes dazu verwenden, um Busbahnhöfe zu erweitern und zu modernisieren.

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