Flutopfer: Jeder Fünfte ohne Hilfe

Kassel. Kurz vor dem Hessentag in Kassel kam die Flutkatastrophe in Bayern und im Osten Deutschlands: Besucher des Landesfests und Leser dieser Zeitung hatten auf Initiative der HNA, des DRK und der Hessischen Staatskanzlei insgesamt 330.000 Euro gespendet, um den Menschen in den Hochwassergebieten zu helfen.

In Kürze sollen erste Geldbeträge aus der Hilfsaktion ausgezahlt werden. Über den Stand der Dinge sprachen wir mit Gabriele Steiner vom DRK-Kreisverband.

Wie ist die aktuelle Lage der betroffenen Menschen in den Hochwassergebieten?

Gabriele Steiner: Die Hilfe für die Flutopfer ist deutlich schneller und reibungsloser angelaufen als beim Hochwasser 2002. Man kann davon ausgehen, dass für 80 Prozent aller Schadensfälle inzwischen die Regulierung geklärt ist.

Wo liegen die Unterschiede zur Situation vor elf Jahren?

Steiner: Viele Betroffene konnten ihre Erfahrungen von damals nutzen - sie wussten, wo sie sich hinwenden müssen und wie man Schäden für die Versicherung dokumentiert. Auch bei den Hilfsdiensten lief die Arbeit reibungslos an. Der größte Unterschied sind die acht Milliarden Euro, die diesmal aus dem Hilfsfonds von Bund und Ländern zur Verfügung stehen. Diese Hilfsgelder sind inzwischen weitgehend ausgezahlt.

Was ist mit jenen Betroffenen, die davon nicht profitieren konnten?

Gabriele Steiner Foto:  Malmus

Steiner: Das ist jetzt für uns die Herausforderung, die Härtefälle zu finden und ihnen mit Geld aus der Spendenaktion vom Hessentag zu helfen. Bislang mussten wir abwarten, wem aus dem Hilfsfonds oder von Versicherungen geholfen wurde und wer am Ende leer ausgegangen ist. Unsere Helfer haben etliche Menschen getroffen, deren zerstörte Habe nicht versichert war - entweder weil keine Gesellschaft deren Wohnung im Überflutungsgebiet versichern wollte oder nur mit einem hohen Eigenanteil, den die Betroffenen nun nicht bringen können. Da kommen schnell fünfstellige Beträge zusammen.

Welche Menschen leiden am meisten unter den Folgen der Hochwasserkatastrophe?

Steiner: Vor allem Menschen mit pflegebedürftigen Angehörigen, die stehen oft vor einem riesigen Berg von Problemen. Oder Großfamilien, deren Haus unbewohnbar geworden ist. Die können nicht gemeinsam bei Bekannten unterkommen, müssen sich auf mehrere Quartiere verteilen und dafür oft erst mal die Miete aufbringen, bevor sie an die Behebung der eigenen Schäden denken können.

Gibt es Fälle, die Sie besonders berührt haben?

Steiner: Wir wissen von einer Kleinstadt in Thüringen, wo das Hochwasser einen kompletten Straßenzug zerstört hat. Bis heute ist nicht klar, ob es die Stadt zulässt, dass die Häuser wegen der Flutgefahr überhaupt wieder aufgebaut werden. Das ist für die Menschen eine ganz unerträgliche Ungewissheit.

Wie geht es jetzt mit den Spenden der HNA-Leser weiter?

Steiner: Uns liegen inzwischen etwa 20 konkrete Spendenanfragen vor - alle von Familien oder Einzelpersonen. Wenn sich der Spendenbeirat aus Vertretern des Roten Kreuzes, der HNA sowie der Firma K + S am 2. Oktober das nächste Mal trifft, werden wir über all diese Fälle beraten. Danach kann es dann sehr schnell zur ersten Ausschüttung von Hilfsgeld aus der Spendenaktion kommen.

Von Axel Schwarz

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