Demnächst werden alle Schüler zusammen unterrichtet

Förderschulen sind in Kassel bald Vergangenheit

Kassel. In Kassel stehen tiefgreifende Veränderungen der Schullandschaft an. Konkret werden nach und nach die Förderschulen verschwinden. Zurzeit besuchen von insgesamt 20.200 Schülern in Kassel 1210 eine Förderschule. Das sind sechs Prozent aller Schüler.

Knapp die Hälfte sind Lernhilfeschüler, also im Lernen beeinträchtigte Kinder.

Dass Förderschulen – früher Sonderschulen – verschwinden, ist Konsequenz aus der UN-Behindertenrechtskonvention, die seit fünf Jahren rechtskräftig ist. Danach haben alle Kinder das Recht auf inklusive Bildung. Ziel ist eine Schule für alle Kinder, mit und ohne Beeinträchtigung oder Behinderung. Das geteilte Schulsystem mit Regelschulen hier und Förderschulen da wird es in Zukunft nicht mehr geben. In Kassel ist die Zahl der Förderschüler in zehn Jahren bereits um ein Viertel geschrumpft. Seit 2003 sank sie um mehr als 450 Schüler auf 1210. Immer mehr Kinder besuchen Regelschulen.

Mit mehrheitlichem Votum der Stadtverordneten hat sich Kassel jetzt auf den Weg zur „Modellregion inklusive Bildung“ gemacht. Das geschieht gemeinsam mit dem Staatlichen Schulamt. Der zuständige Dezernent Thomas Burger sagt: „Die Umsetzung der inklusiven Beschulung ist ein fortlaufender Prozess mit Veränderungen des Schulsystems als Folge.“ Ziel sei der gleichberechtigte, freie Zugang aller Kinder in allgemeine Schulen.

Zur Zeit werden mit der Stadt als Schulträger Maßnahmen erarbeitet, die innerhalb von fünf Jahren umgesetzt werden sollen. Zusätzliche Ressourcen für personelle oder bauliche Veränderungen gibt es nicht. „Streitpunkt ist die Auflösung stationärer Systeme“, so Burger. Es bedeutet, dass Lernhilfeschulen auslaufen. „Für Familien die trotzdem eine Förderschule wünschen und benötigen, werden stationäre Angebote bestehen bleiben, aber definitiv keine vier Förderschulen Lernen in Kassel.“

Von Christina Hein

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Rubriklistenbild: © dpa

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