Bundesregierung kürzt Zuschüsse für erneuerbare Energien – Betriebe rechnen mit Umsatzeinbußen

Förderstopp bremst Handwerk

Kein Geld mehr: Sanitärmeister Frank Roth (links) sieht seinem Mitarbeiter Karl Hermann beim Montieren eines Gas-Brennwertgeräts mit Wasserspeicher zu. Für den Aufbau von derlei klimafreundlichen Heizanlagen hat die Bundesregierung ein Förderprogramm gestoppt. Foto: Koch

Kassel. Von einem auf den anderen Tag hat die Bundesregierung vor zwei Wochen die Förderung erneuerbarer Energien im Gebäudebereich gestoppt. Allmählich werden die Folgen offensichtlich. Der Förderstopp stößt vor allem im regionalen Handwerk auf Unverständnis.

Andreas Klaeger, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer (HWK) Kassel, rechnet mit „massiven Umsatzrückgängen“. Mit dem Stopp des Förderprogramms werde Hausbesitzern der Anreiz genommen, in klimafreundliche Solaranlagen zur Warmwasserbereitung, Pelletheizkessel und Wärmepumpen zu investieren. Diese wurden bisher gefördert. Um Konflikte zwischen Auftraggebern und Handwerksbetrieben zu vermeiden, wäre eine Übergangsfrist sinnvoll gewesen, sagt Klaeger.

„Für uns wirkt das wie eine Konjunkturbremse.“

Sanitärmeister Frank Roth

Doppelt getroffen von der plötzlichen Kürzung ist Sanitärmeister Frank Roth, Geschäftsführer des Kasseler Betriebs Roth & Liebermann GmbH. Derzeit renoviert er das Haus in der Kasseler Südstadt, in dem sich nicht nur seine Privatwohnung, sondern auch die Firmenräume befinden. Mit etwa 1200 Euro wäre seine Investition von insgesamt 12 000 Euro gefördert worden, schätzt Roth.

In der Hoffnung darauf, dass das Förderprogramm wieder aufgenommen wird, dürften viele Hausbesitzer nun geplante Investitionen aufschieben, vermutet Roth. „Für uns wirkt das wie eine Konjunkturbremse.“ Seine Kunden hätten noch keine Aufträge storniert. Aber andere Handwerker hätten die Folgen bereits zu spüren bekommen. „Einige Kollegen sind kreidebleich geworden“, sagt Roth, der auch in den Vorständen der Sanitärinnung Kassel und Hessen sitzt.

Ihm seien Fälle bekannt, bei denen Anlagen bereits gebaut worden sind, aber die Anträge noch nicht an das bisher zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) geschickt worden sind. Nun müssten Handwerker ihren Kunden klarmachen, dass bisher eingeplante Fördermittel nicht fließen. „Das konnte keiner ahnen“, sagt Roth.

Gefahr für Arbeitsplätze

Besonders dürfte die Kürzung Betriebe auf dem Land treffen. Weil es längst nicht überall Gas-Anschlüsse gibt, seien Anlagen, die auf erneuerbare Energien setzen, in dörflichen Gegenden stärker gefragt als in der Stadt, sagte Roth.

Sein Betrieb erwirtschafte im Bereich erneuerbare Energien etwa 600 000 Euro Umsatz pro Jahr. Vom Gesamtumsatz mache das etwa ein Viertel aus, wobei sich zwischen einzelnen Bereichen nicht so eindeutig trennen lasse. Etwa 70 bis 80 Prozent seiner Kunden, die in erneuerbare Energien investieren, hätten bisher Zuschüsse aus dem nun gestoppten Programm in Anspruch genommen.

Roth beschäftigt in seiner Firma 18 Mitarbeiter. Zwar seien ihre Stellen durch den Förderstopp nicht gefährdet. Es sei aber nicht auszuschließen, dass andere Betriebe wegen ihrer Spezialisierung auf erneuerbare Energien nicht anders könnten, als Arbeitsplätze abzubauen. ARTIKEL LINKS

Von Claas Michaelis

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