Forschungsprojekt zur Energiewende: Wie werden die Bürger belastet?

Nur was für die Wohlhabende? Solardächer werden subventioniert. Die Kasseler Forscher wollen nun herausfinden, was die Deutschen von den Folgen der Energiewende halten. Foto:nh

Kassel. Angela Merkel sagte kürzlich, die Energiewende sei das größte und wichtigste Projekt ihrer dritten Amtszeit. Doch wie kommt der Kurswechsel hin zu nachhaltiger Energieversorgung in der Bevölkerung an?

Sorgen sich die Deutschen vor möglichen Zusatzbelastungen? Befürchten sie sozialpolitische Konsequenzen oder gar Energiearmut? Wirtschaftsforscher der Universität Kassel gehen diesen und anderen Fragen jetzt in einem Forschungsprojekt nach.

„In der öffentlichen Diskussion wird häufig von Energiepreissteigerungen als Folge der Energiewende ausgegangen“, sagt der Projektverantwortliche und Leiter des Fachgebiets Empirische Wirtschaftsforschung, Prof. Andreas Ziegler. Ziel des Forschungsprojekts sei es deshalb, mögliche Spannungsverhältnisse zwischen Energie- und Sozialpolitik bei der Energiewende zu identifizieren. „Wir wollen die Erwartungen und Einschätzungen der Bevölkerung in Deutschland zu den sozialen Folgen herausfinden“, sagt der Professor.

Um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten, lassen Ziegler und seine Mitarbeiter dafür voraussichtlich im Herbst rund 1000 repräsentativ ausgewählte Bundesbürger befragen.

„Uns interessiert, wie die Bevölkerung die Energiepreisentwicklungen durch die Energiewende einschätzt“, sagt Ziegler, „und ob aus Sicht der Bürger ärmere Haushalte besonders stark finanziell belastet und wohlhabende Haushalte sogar begünstigt werden, zum Beispiel durch die Subventionierung von Solardächern.“ Nicht minder wichtig ist den Forschern, wie die befragten Haushalte zu staatlichen Entgegenkommen stehen, die finanzielle Mehrbelastungen abdämpfen sollen - beispielsweise eine Strompreisbremse.

Aufbauend auf diesen Ergebnissen untersuchen sie, inwieweit die Deutschen bereit und in der Lage sind, weniger Treibhausgasemissionen im Alltag zu produzieren. „Daraus lassen sich Schlussfolgerungen über die Reaktionen einzelner Gesellschaftsgruppen auf den Transformationsprozess im Rahmen der Energiewende ableiten“, sagt Ziegler. Das Projektteam interessiert dabei insbesondere, ob sich finanziell schwache und finanziell starke Haushalte in ihrem Verhalten unterscheiden.

Für das Projekt arbeiten die Kasseler Wirtschaftsforscher mit Wissenschaftlern der Universitäten Bayreuth und Heidelberg, der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung Mannheim zusammen.

Ziegler und sein Team werden für das Projekt in Kassel bis 2016 mit 228 000 Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Von Sebastian Schaffner

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