Bruder im Alter von 86 Jahren

Alf Fehnhann folgte seinem Zwilling

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Zu Lebzeiten waren sie unzertrennlich: Alf Fehnhann (links) ist ein gutes Jahr nach seinem Zwillingsbruder Sven Fehnhann gestorben.

Kassel. Vor zwei Monaten, anlässlich des ersten Todestages seines geliebten Zwillingsbruders Sven, hat Alf Fehnhann HNA-Redakteurin Christina Hein in seinem Haus an der Mittelbinge in Kirchditmold empfangen. Er berichtete ihr, wie es ihm im ersten Jahr als „verwaister Zwillingsbruder“ ergangen war.

Die Gespräche mit Sven fehlten ihm am meisten, erzählte der 86-Jährige. Das Jahr ohne Sven sei nicht einfach gewesen.

Jetzt ist Alf Fehnhann seinem Bruder gefolgt: Er starb am 21. März an den Folgen eines Herzleidens. Dennoch schnell und überraschend.

Viele Jahre gehörten die Fehnhann-Zwillinge zu bekannten Persönlichkeiten in Kassel. Mit ihrem freundlichen, stets gut gelaunten Wesen zogen sie die Aufmerksamkeit der Menschen an. Es umgab sie ein großer Freundeskreis. Zahlreiche Reportagen und Filme wurden über die unzertrennlichen Brüder aus Kassel produziert.

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Am 7. Mai 1926 wurden Alf und Sven Fehnhann in der lettischen Hauptstadt Riga geboren. Sie verlebten eine behütete Kindheit in einem gutbürgerlichen Elternhaus. Der Vater war Export-Kaufmann, die Mutter Klavierlehrerin. Ein zwei Jahre älterer Bruder, Gunnar, ist im Zweiten Weltkrieg gefallen.

Auch Alf und Sven waren Soldaten. Glücklicherweise seien sei nie auseinandergerissen worden. „Das hätten wir nicht ausgehalten“, sagte Sven anlässlich des 85. Geburtstages in einem Interview. Dass der Bruder immer die Nummer eins im Leben des anderen bleibt, hatten die Fehnhanns auch stets ihren Verehrerinnen signalisiert. So habe die Damenwelt von Hochzeitsplänen stets Abstand gehalten, sagen Sven und Alf, die bis zum Tod Junggesellen geblieben sind.

Nach dem Krieg landete die Familie aus dem Baltikum in Nordhessen, zunächst in Körle, dann zogen die Brüder mit ihren Eltern nach Kassel. Das große Haus in Kirchditmold haben die Zwillinge, gelernte Zimmermänner und Maurer, selbst gebaut. Später wechselten sie beruflich zur Post.

Geheimnis: Fröhlichkeit

Gemeinsam hatten die Fehnhanns aus Anlass ihres 85. Geburtstags das Geheimnis ihrer Lebensenergie erklärt: Fröhlichkeit. Ein ehrgeiziges Ziel, das die beiden damals formulierten, konnten sie nicht erreichen: Sie wollten im Jahr 2031 zusammen ihren 105. Geburtstag beziehungsweise 210 gemeinsame Lebensjahre feiern. Es hat immerhin für 170 gemeinsame und glückliche Jahre gereicht. (use)

Die Beerdigung findet am Donnerstag, 28. März, 11 Uhr, von der Kapelle des Westfriedhofs, Heinrich-Schütz-Allee, aus statt.

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