Anfragen zu verschiedenen Restaurants laufen

Wo sind die Schmuddel-Restaurants? Zahlreiche Anfragen auf Hygiene-Portal aus Kassel

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Gelb bedeutet "Anfrage läuft": Zu einigen Restaurants in Kassel haben Nutzer bereits Anfragen zur Hygiene-Situation gestellt.

Auf der Hygiene-Plattform „Topf Secret“ sind in drei Tagen 8.000 Anfragen zu Lebensmittelbetrieben eingegangen, in Kassel sind es bis heute 59. Kritiker warnen allerdings vor dem Portal: Es sei reiner Populismus.

Aktualisiert am 18. Januar um 11.25 Uhr - Foodwatch will nach eigener Darstellung mit der „Geheimniskrämerei“ Schluss machen und dafür sorgen, dass sich Verbraucher ganz einfach über die Hygienesituation in Lebensmittelbetrieben informieren können. Zu diesem Zweck hat der Verein gemeinsam mit der Initiative FragDenStaat die Seite „Topf Secret“ an den Start gebracht. Darauf kann jeder Nutzer nach seinem Lieblingsrestaurant, seinem Stammlokal oder dem Bäcker um die Ecke suchen und sich über die Hygiene-Situation vor Ort informieren. Mit wenigen Klicks ist es möglich, eine Anfrage an die zuständige Behörde zu stellen. Aufgrund des Verbraucherinformationsgesetzes ist diese dazu verpflichtet, sie zu beantworten. Auf „Topf Secret“ soll die Antwort dann veröffentlicht werden.

Restaurant Hygiene in Kassel

In Kassel sind laut Informationen der Stadt allein von Montag bis Donnerstagmittag 30 Anfragen eingegangen. Stand Freitagmittag waren es laut Pressestelle der Stadt schon 59 Anfragen.

Normalerweise müssten sie innerhalb eines Monats beantwortet werden. "Aufgrund der großen Menge an Anträgen ist es fraglich, ob die Beantwortung fristgerecht erfolgen kann", sagt Pressesprecher Michael Schwab. Er spricht von einer bundesweiten Flut an Anträgen, die durch Foodwatch ausgelöst wurde. Das Problem dabei: Die Anfragen binden laut Schwab zeitliche und personelle Kapazitäten, die sonst gezielter und risikoorientierter eingesetzt werden könnten.

Lebensmittelkontrolle in Kassel: Festgestellte Mängel

In Kassel wurden allein im Jahr 2018 2283 Lebensmittelkontrollen durchgeführt. Insgesamt stellte die Behörde 298 Verstöße fest. Dabei war die Bandbreite der Mängel groß: Mal war nur eine Silikonfuge verschlissen oder eine Fliese kaputt. In anderen Fällen gab es Reinigungsmängel, fehlendes Warmwasser für die Händehygiene oder sogar einen Schädlingsbefall.

Hygiene-Portal: Anfragen in Göttingen

Auch in Göttingen sind zahlreiche Anfragen eingegangen. Beantwortet wurde bisher noch keine – das kann noch mehrere Wochen dauern, so Andreas Winkler von Foodwatch.

Unterwegs mit einem Lebensmittelkontrolleur in Kassel: Was kein Gast je sehen sollte

Foodwatch: Topf Secret listet viele Anfragen

Seit dem Start am Montagmorgen sind laut Foodwatch insgesamt bereits über 8.000 Anfragen auf dem Portal eingegangen. „Das sind weit mehr, als in den vergangenen Jahren seit 2008 gestellt wurden“, erklärt Winkler. So lange existiert bereits das Verbraucherinformationsgesetz, das vom damaligen Verbraucherschutzminister Horst Seehofer als Meilenstein des Verbraucherschutzes gefeiert wurde. „In der Praxis ist das Gesetz komplett gescheitert“, sagt Winkler. Die bisherigen Möglichkeiten, sich bei Behörden über Hygienemängel zu informieren, seien zu kompliziert, außerdem kenne sie kaum jemand.

Hygiene-Portal von Foodwatch als Internet-Pranger

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) sieht das ganz anders. Durch das Verbraucherinformationsgesetz könne zum einen schon heute jeder an alle Informationen kommen, zum anderen haben Behörden längst die Möglichkeit, die Öffentlichkeit bei erheblichen Verstößen zu informieren. Eine Plattform wie „Topf Secret“ brauche es daher nach Auffassung des Dehoga nicht. Sie sei ein Mitmach-Internetpranger und reiner Populismus. Gastronomen dürften nicht leichtfertig und zu Unrecht öffentlich an den Pranger gestellt werden.

Smiley-System in Dänemark

Foodwatch hält dagegen: Mit dieser Position schütze Dehoga nur die wenigen Schmuddelbetriebe, die es gebe. Der Großteil der Lebensmittelfirmen sei sauber und profitiere daher von mehr Transparenz. Langfristig will Foodwatch für ein Transparenzsystem kämpfen, das dem in Dänemark ähnele: Dort sind Behörden dazu verpflichtet, alle Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen zu veröffentlichen – und das nicht nur im Internet, sondern auch an den Ladentüren. Smileys machen dort schnell erkenntlich, wie es um die Hygiene des Restaurants bestellt ist. Seit Einführung dieses Systems 2001 hat sich die Quote der Betriebe mit dem besten Smiley laut Foodwatch um 21 Prozent erhöht und der Anteil der Betriebe mit Beanstandungen halbiert. Ähnliche Systeme gibt es außerdem in Norwegen und Finnland. 

Topf Secret - Kritik auch vom BVLK

Bedenken hat neben dem Dehoga aber auch der Bundesverband der Lebensmittelkontrolleure (BVLK), der von der Allgemeinen Hotel- und Gastronomie-Zeitung zitiert wird. Er sagt demnach, die bisherige Praxis reiche völlig aus. Aktuell können Verstöße ab 350 Euro Bußgeld veröffentlicht werden – und das auch nur für die Dauer von sechs Monaten, da es sich lediglich um Momentaufnahmen des Hygienezustandes handele. Eine Veröffentlichung der Berichte auf "Topf Secret" verstößt laut Auffassung des BVLK gegen den Grundsatz des Aktengeheimnisses und der Vertraulichkeit.

Schmuddel-Restaurant entdeckt - was tun?

Wer Missstände in einem Lokal feststellt, sollte laut Amtstierärztin Dr. Regina Emrich von der Stadt Kassel den Betrieb direkt darauf hinweisen. Bei schwerwiegenden Verstößen kann die zuständige Behörde informiert werden. Diese veranlasst dann eine unangekündigte Lebensmittelkontrolle. 

Dieses Video ist Teil der Plattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

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