Christdemokraten wollen eine neue Wahl

CDU fordert: Karsten Honsel darf nicht neuer Klinikum-Chef werden

Klinikum Kassel aus der Luft gesehen: Das Krankenhaus der Maximalversorgung am Möncheberg ist das Flaggschiff des kommunalen Gesundheitskonzerns GNH. Zur Krankenhaus-Holding gehören auch die beiden Kreiskliniken in Wolfhagen und Hofgeismar sowie das Krankenhaus Bad Arolsen.  Archivfoto: Schachtschneider / Charterflug Knabe

Kassel. „Honsel muss verhindert werden“, fordert Kassels CDU-Fraktionschef Dr. Norbert Wett.

Die Besetzung der Chefstelle des nordhessischen Krankenhauskonzerns dürfe auf der bisherigen Entscheidungsgrundlage nicht erfolgen, sagt CDU-Kreis- und Fraktionsvorsitzender Frank Williges.

Der Aufsichtsrat der Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) hatte sich in der vergangenen Woche für Karsten Honsel als neuen Vorstandschef entschieden. Dabei hatten einige Aufsichtsratsmitglieder keine Kenntnis darüber, dass Honsel als früherer Finanzchef des Klinikums Hannover ein Defizit von 75 Millionen Euro mit zu verantworten hatte, wegen Sozialbetrugs angeklagt war und für eine Einstellung des Strafverfahrens vor dem Landgericht Hildesheim eine Geldzahlung von 25.000 Euro geleistet hatte.

Die zuständigen Gremien des Landkreises müssten so schnell wie möglich informiert werden, fordert Williges. Wenn ein Bewerber für eine so wichtige und hoch dotierte Position an der Spitze eines Klinikkonzerns offenbar wesentliche Teile seines beruflichen Werdegangs verschweige, „hat er das Vertrauen verspielt“. Künftige Konflikte mit den Mitarbeitern der GNH seien programmiert.

Er erwarte, dass die SPD im Kreistag eine solche Stellenbesetzung nicht mittrage, erklärt Williges. Der Landkreis hat in die GNH die Kreiskliniken in Wolfhagen und Hofgeismar eingebracht und ist am Konzern mit 7,5 Prozent beteiligt (Stadt Kassel: 92,5 Prozent).

Patrick Weilbach, der als CDU-Kandidat zur Landratswahl am 25. Januar nächsten Jahres antritt, fordert eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung der GNH, um die Personalentscheidung erneut zu überdenken.

Karsten Honsel

Der amtierende Landrat Uwe Schmidt (SPD) habe dem bisherigen GNH-Chef Gerhard M. Sontheimer mangelnde Sozialkompetenz vorgeworfen und eine Vertragsverlängerung für Sontheimer abgelehnt. Mit dem Votum für Karsten Honsel habe der Landrat seine Glaubwürdigkeit verspielt, sagt Weilbach: „Wer Scheinselbstständigkeit fördert, um Sozialbeiträge in Höhe von einer halben Million Euro zu sparen, der scheint in den Augen des Landrates genug Sozialkompetenz zu besitzen.“ Dies mache deutlich, dass der Landrat in der Sorge um seine Wiederwahl die wirtschaftliche Gefährdung der GNH in Kauf genommen habe und mangelnde Sozialkompetenz lediglich ein Scheinargument gewesen sei.

Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) müsse zur Besinnung kommen „und alle rechtlichen Möglichkeiten zur Auflösung des Vertrages mit Herrn Honsel nutzen“, fordert Kassels CDU-Fraktionsvorsitzender Wett. Für die CDU in Stadt und Landkreis sei klar, dass man nach diesem Auswahlverfahren nicht einfach zum Tagesgeschäft übergehen könne. Es gehe jetzt darum, möglichen Schaden von der Klinik-Holding abzuwenden. (ach)

Hintergrund: In Hannover gab es auch Fürsprecher

Der designierte GNH-Chef Karsten Honsel hat nach Ansicht früherer Arbeitgeber das Zeug dazu, einen regionalen Klinikkonzern zu leiten. Beim Klinikverbund Region Hannover (KRH) habe die Zusammenarbeit wirtschaftlich wie menschlich „etliche Jahre lang gut funktioniert“. Das sagte einer von Honsels früheren politischen Aufsehern in Hannover, der namentlich nicht genannt werden will, gegenüber der HNA.

Das 75-Millionen-Defizit, das seit 2012 in Hannover entstanden ist, sei nicht allein der dortigen Klinikgeschäftsführung anzulasten gewesen, „sondern ebenso der Politik“. Honsel habe sich allerdings „angreifbar gemacht“, da er in seinem finanziellen Verantwortungsbereich an der Spitze des Klinikverbundes „nicht immer souverän agiert“ habe.

Das Problem in Hannover sei hauptsächlich die Zusammenarbeit mit Honsels damaligem Mitgeschäftsführer Norbert Ohnesorg gewesen. Dieser habe gegenüber den regionalpolitisch Verantwortlichen „Intrigen eingefädelt“ und Zerwürfnisse innerhalb der Hannoverschen Klinikgeschäftsführung in den Aufsichtsrat hineingetragen – dies vor dem Hintergrund einer gravierenden Finanzkrise des Klinikverbundes.

Da Ohnesorg in der SPD und der Gewerkschaft Ver.di bestens vernetzt sei, habe man ihn „nicht als Alleinschuldigen abschießen“ können, sagte der Aufsichtsratsvertreter rückblickend: „Das war politisch nicht möglich.“ Um den Machtkampf an der Klinikverbundsspitze zu entschärfen, habe daher zunächst Honsel gehen müssen, der das Finanzressort zu verantworten hatte. Honsels Darstellung, dass er in Hannover einvernehmlich ausgeschieden sei, entspreche durchaus dem tatsächlichen Ablauf.

Inzwischen hat sich der KRH auch von Ohnesorg als Geschäftsführer getrennt. Über Karsten Honsel, der an der Spitze der GNH in Kassel anfangen soll, sagte der niedersächsische Klinik-Aufseher als Fazit: „Ich würde sagen, den kann man nehmen. Aber als alleiniger Geschäftsführer?“ Das halte er für etwas fraglich. (asz)

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