Forstfeld

Länger schwelende Konflikte im Ortsbeirat eskalierten

Schmierereien: An der ehemaligen Heinrich-Steul-Schule sprühten Unbekannte Parolen gegen die künftigen Flüchtlinge aus Syrien. Foto: raccoons.blogsport.de/nh

Forstfeld. „Syrer rein wir sagen nein, Forstfeld setzt sich zur Wehr“ - diese Parolen fanden sich kürzlich an der Heinrich-Steul-Schule. Sie wurden rasch entfernt, die Stadt hat Strafantrag gestellt, die Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung und Beleidigung, bestätigte Polizeisprecher Thorsten Werner.

Der Vorfall, der sich um den 20. November herum ereignete, bezieht sich auf den Plan der Stadt, in dem ehemaligen Schulgebäude 70 syrische Kriegsflüchtlinge einzuquartieren. Dieses Thema wurde während der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats Forstfeld mit zum Auslöser für einen erbitterten lautstarken Streit.

Ortsbeiratsmitglied Dr. Marc Urlen (ehemaliges SPD-Parteimitglied, jetzt parteilos) hatte einen zusätzlichen Tagesordnungspunkt „Asylantenheim Steul-Schule“ beantragt. Seine Kritik: Der Beirat sei zu dem Vorhaben nicht gehört und noch immer nicht offiziell informiert worden. Oberbürgermeister Bertram Hilgen hatte das Projekt kürzlich während der jüngsten Bürgerversammlung erwähnt.

Der Ortsbeirat empörte sich über Urlens Wortwahl „Asylantenheim“ - der Begriff komme aus der rechten Ecke, sei eine Entgleisung und geistige Brandstiftung, erklärte das Gremium. Davon distanziere man sich. Das Gremium warf Urlen blindwütige Hetze, Unwissenheit und Populismus vor. Ortsvorsteherin Brigitte Ledderhose (SPD) erklärte, im Ortsbeirat sei kein Platz für fremdenfeindliche Äußerungen. Der Antrag wurde abgelehnt.

Öffentliche Debatte

Urlen verwahrte sich ausdrücklich gegen die Unterstellung einer rechten Gesinnung und erklärte, hier im Gremium sei sowieso alles immer vorher abgesprochen, nichts werde offen diskutiert.

Er forderte, dass über die Schmiereien am Schulgebäude öffentlich debattiert werden müsse. Für so etwas wolle man keine Plattform bieten, erklärten die Bürgervertreter einhellig. Ein älterer Sitzungsbesucher sagte, über solche Vorfälle müsse man sprechen und die Bürger auch darüber informieren.

Ortsvorsteherin Ledderhose stellte klar, dass man das Thema Flüchtlingsheim nicht „ins Blaue“ hinein, sondern mit verschiedenen Fachleuten diskutieren wolle. Das ist für die Ortsbeiratssitzung am 10. Dezember geplant.

Auch mit seinem dritten Anliegen scheiterte Urlen und zog sich erneut den Zorn des Beirats zu. Der Stadtteil verliere zwei Schulen, das Familienzentrum gebe es nicht, die Kulturfabrik Salzmann sei verloren und die kulturelle Infrastruktur im Kasseler Osten dahin. Die SPD sei mit ihren Bemühungen gescheitert, sie solle endlich den Auftrag der Wähler über den Parteigehorsam stellen. Archivfotos:nh

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