Neue Feuerwehrautos verlangen mehr Platz

Kunstwerk: Beuys-Bäume in Kassel werden abgeholzt 

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Markiert: Dieser und fünf weitere Beuys-Bäume an der Heinrich-Steul-Straße sollen gefällt werden.

Sechs Beuys-Bäume an der Heinrich-Steul-Straße in Kassel sind mit roten Kreuzen gekennzeichnet worden. Das heißt: Diese Bäume werden gefällt.

Kassel – Eine „seit 44 Jahren nicht vorhandene Feuerwehreinfahrt“ solle hier entstehen, erfuhr eine Anwohnerin, als sie beim Umwelt- und Gartenamt nachfragte. Recherchen der HNA bestätigten jetzt die Auskunft:

„In dem betroffenen Wohnareal der Heinrich-Steul-Straße wurden von der Stadt Kassel im Einvernehmen mit der Unteren Gartendenkmalschutzbehörde insgesamt sechs Beuys-Bäume zur Fällung genehmigt“, heißt es aus dem Rathaus. 

Kassel: Beuys-Bäume müssen wegen Feuerwehrzufahrt weichen

Stadtsprecher Michael Schwab teilte mit, dass „notwendige Sicherheitsanforderungen nach geltenden Brandschutzvorgaben“ der Grund dafür seien, dass hier Bäume gefällt werden müssen. Insbesondere seien die Anforderungen an die vorhandene Feuerwehrzufahrt strenger geworden. 

Als die Beuys-Bäume 1982 gepflanzt wurden, bestanden an den Hochhäusern in der Heinrich-Steul-Straße bereits Feuerwehreinfahrten beziehungsweise Platz zum Manövrieren.

Die Sicherheitsauflagen hätten sich aber seit den 80er-Jahren „deutlich verändert und verschärft ebenso wie Ausführungen zu den Einsatzfahrzeugen der Feuerwehr“. Festgeschrieben sei dies in einer neuen DIN-Norm für „Flächen für die Feuerwehr auf Grundstücken“. Sprich: größere Feuerwehrautos benötigen breitere Zufahrten und mehr Platz.

Kassel: Neupflanzungen als Ausgleich für Beuys-Bäume

Darum muss nun auch im Bereich der Hochhäuser in der Heinrich-Steul-Straße etwas getan werden. Die Bäume stehen schlicht im Weg. Schwab: „Die Notwendigkeit der Brandschutzsicherheit aller Bewohner gelte es nach geltenden Recht herzustellen und zu gewährleisten“.

Gleichwohl sollen die Maßnahmen mit dem geringstmöglichen Eingriff in dem bestehenden Grün- und Gehölzbestand ausgeführt werden. Zum Ausgleich für die zur Fällung genehmigten Bäume werden auf dem Grundstück neue Bäume gepflanzt.

Auch die Wohnungsbaugesellschaft GWG, Besitzerin der Wohnanlage, äußert sich zu dem Sicherheitsaspekt: Geschäftsführer Peter Ley verdeutlicht, dass die Sicherheit für die Bewohner Priorität habe: „Sie steht absolut an erster Stelle.“

Peter Ley,Geschäftsführer der GWG

Kassel: Stiftung kämpft um Erhalt der Beuys-Bäume

Bäume dürften den ungehinderten Zugang der Rettungskräfte auf keinen Fall beeinträchtigen, daher sei die Maßnahme zwingend erforderlich, heißt es bei der Wohnungsbaugesellschaft.

Das sagt Volker Schäfer, Vorstandsvorsitzender der Stiftung 7000 Eichen: Wir ringen und kämpfen um den Erhalt jedes einzelnen Beuys-Baums.“ Dennoch müsse man konkurrierende Ziele abwägen: Lebensrettung habe Vorrang. 

Kassel: Ersatzbäume verhindern Vergreisung der Beuys-Bäume

Man könne aber nicht kategorisch sagen: Überall in der Stadt müssen die Bäume weg, damit die Feuerwehr besser manövrieren kann. Das Nachpflanzen von Ersatzbäumen führe zu einer Verjüngung und verhindere ein kollektives Vergreisen der Beuys-Bäume. „Eine Stadt atmet und darf sich – auch im Sinne Beuys’ – verändern.“

 Insgesamt einige hundert Bäume seien bereits für Bauaktivitäten gefällt und ersetzt worden, etwa für die Straßenbahn nach Vellmar. Auch Umpflanzungen habe es gegeben, aber die seien „risikobehaftet“. 

Das sind die Beuys-Bäume in Kassel 

7000 Eichen, „Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“, ist ein Landschaftskunstwerk von Joseph Beuys, das seinen Ursprung in der documenta 7 von 1982 hat. Beuys pflanzte in Kassel 7000 Bäume, daneben setzte er Basaltstelen. 

Die Stiftung 7000 Eichen hat 2002 den gleichnamigen Verein abgelöst. Ihr Ziel: das documenta-Kunstwerk erhalten und ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken. Die Stadt als Untere Denkmalschutzbehörde für Gartenkulturdenkmäler hat sich verpflichtet, für das Denkmal zu sorgen.

Wer die documenta 15 leitet, ist bereits bekannt: Die indonesische Gruppe Ruangrupa wird die Kunstschau leiten. 

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