Erbaut 1974

Hannelore und Ernst Diederich wohnen von Anfang an in der Steul-Siedlung 

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Ein Balkon im Grünen: Ernst und Hannelore Diederich vor ihrer Wohnung im Erdgeschoss.

Forstfeld. Ende Januar 1974 hatte sich Hannelore Diederich auf die Suche nach einer Wohnung gemacht. Bei der GWG hatte sie Glück. Im Stadtteil Forstfeld war damals gerade der erste Block der neuen Steul-Siedlung fertig.

„Es war die letzte Wohnung, die frei war.“ Bis heute wohnt die 65-Jährige mit ihrem Ehemann, der im August 1979 eingezogen war, im weißen Schloss, wie die Forstfelder die jetzt 40 Jahre bestehende Wohnanlage nennen. Umziehen kommt für sie nicht infrage: „Das ist die schönste Wohnung, die ich mir vorstellen kann.“

Hannelore Diederich fühlt sich wohl, will unbedingt in der Steul-Siedlung bleiben. 1984 hatte die gelernte Industriekauffrau „nur ganz kurz“ darüber nachgedacht, eine Eigentumswohnung zu kaufen, sich aber dann für die Mietwohnung entschieden. „Die ist so schön geschnitten.“

Alle Möbel sind passgenau für die im Erdgeschoss gelegenen drei Zimmer gekauft, die Wohnung ist auch im Alter ohne Treppen bequem zu erreichen. In der Nachbarschaft gibt es Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte, Apotheke, Sparkasse und Bushaltestellen. „Wir müssten mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wenn wir jetzt ausziehen“, sagt die Rentnerin: „Obwohl das Umfeld nicht mehr so toll ist.“

Ehemann Ernst Diederich (65) sieht die Veränderungen in der Nachbarschaft kritisch. Über die Jahre seien sehr viele Menschen mit ausländischen Wurzeln in die Häuser eingezogen. „Eine ganz andere Mentalität“, sagt der Rentner, der früher als Busfahrer viel unterwegs war. Und erzählt von verwahrlosten Treppenhäusern und von Müll, der von Mitbewohnern kurzerhand aus den Fenstern geworfen werde: „Wir laden nur noch selten Besucher ein.“

Immerhin würden die Altmieter noch aufeinander achten, erzählt Hannelore Diederich, die viele Jahre für die SPD in der Kasseler Stadtverordnetenversammlung und im Ortsbeirat saß und vier Jahre Ortsvorsteherin im Stadtteil Forstfeld war. „Das Vorurteil anonymes Hochhaus stimmt nicht.“ Als ihr Mann kürzlich im Krankenhaus lag, hätten sie viele Mitbewohner angesprochen: „Wir haben deinen Mann so lange nicht gesehen, was ist denn los?“

374 Deutsche Mark kostete die 73 Quadratmeter große Wohnung in den Anfangsjahren einschließlich der Nebenkosten. Aktuell zahlt das Ehepaar dafür insgesamt 660 Euro im Monat. „Das ist heute immer noch sehr günstig“, findet Hannelore Diederich.

Von Jörg Steinbach

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