Dachgeschoss im Stadtteil Forstfeld

Privatleute können über Stadt Wohnungen für Flüchtlinge anbieten

Kassel. Sechs Kriegsflüchtlinge aus Syrien, Männer im Alter zwischen 19 und 40 Jahren, werden demnächst ihre Gemeinschaftsunterkunft verlassen und in eine eigene Wohnung ziehen.

Die Vermieterin ist Verena Stork, die dem Ortsbeirat Forstfeld das Projekt vorstellte.

Stork, Besitzerin eines Zweifamilienhauses im Stadtteil Forstfeld, hat die 65 Quadratmeter große Dachgeschosswohnung ihres Hauses bewusst an Asylsuchende vermietet. Zum Schutz ihrer neuen Mieter, wie die 34-Jährige sagt, soll die genaue Adresse nicht in der Zeitung stehen.

Lexikonwissen:
Forstfeld im Regiowiki

Dass Städte und Gemeinden Flüchtlinge aus Kostengründen oft in Wohnheimen und auch in Containern unterbringen, hält die angehende Grundschullehrerin für keine gute Lösung. Voraussetzung für Integration und Selbstständigwerden in der neuen Heimat sei, dass die Flüchtlinge möglichst rasch in den eigenen vier Wänden leben können, erklärt sie. „Und hier brauchen wir Privatinitiative“, ist die Studentin überzeugt. Der Staat könne nicht alles regeln, alle müssten mithelfen, sagt sie.

450 weitere Flüchtlinge werden im ersten Halbjahr 2015 hier erwartet, weiß man im Rathaus. „Wir freuen uns daher, wenn uns für sie geeigneter Wohnraum angeboten wird“, sagt Stadtsprecher Ingo Happel-Emrich. Private Initiativen wie die von Verena Stork und ihrem Mann werden ausdrücklich begrüßt.

Wer ihrem Beispiel folgen will, kann der Stadt seine Immobilie, etwa eine Pension, eine Wohnung oder ein Mehrfamilienhaus zur Vermietung anbieten. Eine Grundausstattung wie Möbel, Kühlschrank, Waschmaschine, Herd muss vorhanden ein. Der Eigentümer trägt alle Nebenkosten und ist Ansprechpartner für die Flüchtlinge.

Das Sozialamt prüft, ob Immobilie und Besitzer geeignet sind, auch verschiedene andere Auflagen müssen erfüllt sein. Es wird ein Nutzungsvertrag geschlossen, der Vermieter bekommt von der Stadt zehn bis sechzehn Euro täglich pro Person und mindestens drei Jahre lang Flüchtlinge zugewiesen.

Verena Stork, die früher im Justizvollzug gearbeitet hat, weiß, wie schwer es sein kann, in einem neuen Leben Fuß zu fassen. Darum will sie ihren syrischen Mietern Deutsch beibringen. Und sie hofft auf Unterstützung durch die Nachbarn. Für sie will sie ebenfalls Ansprechpartnerin bei Fragen und Problemen sein. Der Ortsbeirat begrüßt das Projekt ausdrücklich und hofft auf Nachahmer.

Von Sabine Oschmann

Telefonkontakt für private Anbieter von Wohnungen:

0561/7875002.

Rubriklistenbild: © dpa

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