Weg zurück in die Gesellschaft

Kasseler Verein schafft Wohnungen für Obdachlose und Ex-Häftlinge

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Lob von Kassels Bürgermeisterin und Hessens Justizministerin: Im Bild (von links) Michael Kurz, Ilona Friedrich (SPD), Eva Kühne-Hörmann (CDU und Dr. Michael Müller-Goebel. 

Forstfeld. In einer Doppelhaushälfte an der Lüderitzstraßein Forstfeld hat der Verein Soziale Hilfe Kassel fünf Wohnungen geschaffen. Dort werden künftig wohnungslose und haftentlassene Männer betreut.

Das Ziel: „Wir wollen ihnen den Weg zurück in die Gesellschaft ebnen“, sagt Vereinsvorstand Dr. Michael Müller-Goebel.

Möglich wurde der ungewöhnliche Hausumbau durch eine Geldbuße, die dem Verein durch die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt zugewiesen wurde. „Die Soziale Hilfe ist ja nicht als Bauträger bekannt“, sagt Vereinsgeschäftsführer Michael Kurz. Aber die Geldbuße habe es möglich gemacht, das renovierungsbedürftige Haus von der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft (GWG) der Stadt Kassel zu kaufen und für die Zwecke des Vereins umzubauen. 

Verein Soziale Hilfe Kassel investierte 250.000 Euro

Insgesamt annähernd 250.000 Euro wurden in den Hausumbau investiert. „Ein Neubau wäre nicht unbedingt teurer gewesen“, erklärt Kurz. Es ging dem Verein aber auch darum, Haftentlassene und Wohnungslose in die Bauarbeiten einzubinden. 

So sieht es drinnen aus: Ute Wienkamp vom Verein Soziale Hilfe Kassel in einer der fünf neuen Wohnungen für haftentlassene und wohnungslose Männer im umgebauten Haus Lüderitzstraße 3 im Stadtteil Forstfeld. 

Seit dem Frühjahr 2015 wurde an dem Haus gewerkelt, acht Klienten der Sozialen Hilfe arbeiteten 1500 Stunden mit und wurden dafür auch bezahlt. „Das Ziel war nicht, möglichst schnell fertig zu werden“, sagt Kurz. Es ging auch darum, die Klienten mithilfe des Arbeitseinsatzes in ein straffreies und selbstbestimmtes Leben zu begleiten.

Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) lobte beim Ortstermin am Dienstag, was die Aktiven des Vereins auf die Beine gestellt hätten: „Ich will mich herzlich für diese schwierige Arbeit bedanken.“ Die Ministerin unterstrich die Bedeutung der Straffälligenhilfe und Haftentlassenenarbeit, die vom Verein geleistet werde.

Hohe Akzeptanz für soziale Projekte im Stadtteil Forstfeld

Auch im Ortsbeirat Forstfeld sei das Wohnheim positiv aufgenommen worden, sagt Ortsvorsteherin Brigitte Ledderhose (SPD). Für solche Hilfsangebote gebe es im Stadtteil eine hohe Akzeptanz. „Wir waren in Forstfeld auch die Ersten, die Flüchtlinge aufgenommen haben“, erinnert die Ortsvorsteherin.

Anfang Mai sollen die ersten drei der fünf kleinen Wohnungen belegt werden. Etwa zwei Jahre finden die Bewohner dort Betreuung und ein Dach über dem Kopf.

„Das kann im Einzelfall auch länger dauern“, beschreibt Michael Kurz die Erfahrungen. Wenn jemand früher eine eigene Wohnung findet und wieder ein selbstbestimmtes Leben führen will und kann, kann es auch schneller gehen mit dem Auszug aus dem betreuten Wohnen.

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