Altes Kassel

Fotoarchiv aufgetaucht: Historische Bilder aus den 30er-Jahren entdeckt

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Rast an den Kaskaden: Die Aufnahme entstand im Bergpark mit dem Herkules im Hintergrund. Fotos:  United Archives/nh

Kassel. Die wunderschönen Fotos vom alten Kassel hat ein Profi gemacht, daran besteht kein Zweifel. Sie gehören zum Nachlass des Berliner Mauritius-Verlages, der vor dem Zweiten Weltkrieg zahlreiche Bildbände über deutsche Städte veröffentlicht hat.

Tausende von Fotos und Negativen sind erst jetzt wieder aufgetaucht. „Sie lagen in Kisten verpackt über 70 Jahre in einem Keller“, sagt Alexander Wittmann von der Kölner Firma United Archives.

Die hat mehrere Ordner mit dem in Mittenwald (Bayern) verwahrten Material gekauft und die Bilder digitalisiert. Darunter sind eine ganze Reihe Fotos aus Kassel, die eindrucksvoll zeigen, wie schön die Stadt vor der Zerstörung war.

Einige davon haben wir Dr. Alexander Link, dem stellvertretenden Leiter des Kasseler Stadtmuseums, gezeigt. Von den jetzt aufgetauchten Fotos sei keines identisch mit Bildern der Sammlung des Stadtmuseums, sagt er. Das spricht für den Wert des Materials.

Aus Beständen des Mauritius-Verlages habe man bereits zwei Aufnahmen von Schloss Wilhelmshöhe, sagt Link. Ansonsten seien die Motive natürlich alle bekannt, die Fotos aber bisher unveröffentlicht.

Typisch Altstadt: Die alten Türme der Martinskirche

Die Originale stammen wahrscheinlich von dem Fotografen Karl Heinrich Lämmel. Der ist in den 1930er-Jahren durch ganz Deutschland gereist. Es gibt Aufnahmen von ihm aus mehr als 50 Städten von Aachen bis Zwickau. Lämmel, der vor dem Krieg als Fotograf gearbeitet hat, wurde wahrscheinlich nur 35 Jahre alt. Seit 1945 gilt er als vermisst.

Die Kasseler Aufnahmen zeigen unter anderem eine Ansicht der Schlagd mit dem Rondell im Hintergrund (siehe Titelseite). „Das müsste Mitte der 30er-Jahre fotografiert worden sein“, sagt der Kassel-Chronist und Zeitzeuge Hans Germandi (88). Als Kind habe er damals den Männern zugeschaut, wenn sie ihre Flöße gebaut haben. Bis zu zwei Wochen habe es gedauert, bis die Baumstämme für den Abtransport bereit waren. Die Flöße durften nicht zu breit sein, damit sie durch die Schleuse passten. Von der Schlagd in Kassel wurden die Stämme in Richtung Hann. Münden transportiert. „Für uns Kinder war die Schlagd ein beliebter Treffpunkt, da gab es immer was zu sehen“, sagt Hans Germandi.

Kontakt: http://united-archives.fotograf.de

Fotos: Bilder aus dem alten Kassel

Bilder aus dem alten Kassel

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