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Fotoprojekt: Zwei Kasseler planen Bildband über Waschbären

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Von: Katja Rudolph

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Zwei junge Waschbären schauen aus einem Astloch. Die Aufnahme entstand in der Karlsaue.
Neugierig: Zwei junge Waschbären schauen aus einem Astloch. Die Aufnahme entstand in der Karlsaue. © Jan Piecha

Kassel gilt als Hauptstadt der Waschbären. Zwei junge Naturfotografen aus Kassel arbeiten an einer beispiellosen Bilddokumentation über das Leben der Waschbären in Kassel. Wir stellen das Projekt vor.

Kassel – Es klingt fast, als gehe es um ein professionelles Model, wenn Jan Piecha und Dominik Janoschka von dem Waschbären erzählen, mit dem alles begann: „Mit ihm konnte man gut arbeiten“, sagt Jan Piecha und meint jenen Waschbären, auf den die beiden Kasseler vor knapp fünf Jahren auf einer Fototour im Bergpark Wilhelmshöhe stießen.

Bei mehreren Treffen mit dem Tier, das regelmäßig in den Abendstunden am Lac unterwegs war, entstanden fantastische Aufnahmen. So kamen die beiden jungen Männer, deren große Leidenschaft die Naturfotografie ist, auf eine Idee, die sich in Kassel anbietet: Denn hier leben so viele Waschbären wie sonst wohl nirgendwo in Europa.

Eine Waschbärfamilie klettert einen Baumstamm in der Karlsaue herunter.
Kopfüber: Eine Waschbärfamilie klettert einen Baumstamm in der Karlsaue herunter. © Jan Piecha

Dominik Janoschka (26) und Jan Piecha (32) wollen die Stadt nun auch in fotografischer Hinsicht zur Waschbär-Hauptstadt machen. Sie arbeiten an einer umfangreichen Fotodokumentation über das Leben der Tiere, deren Fellzeichnung um die Augen wirkt wie eine schwarze Maske.

Wie oft sie seither auf Fototour waren, haben die beiden Freunde nicht gezählt. Meist starten sie mit Einbruch der Dämmerung, wenn die Waschbären aktiv werden, und sind dann bis in die Morgenstunden auf der Jagd nach Motiven. Die Zahl der Aufnahmen, die dabei entstanden sind, haben sie kürzlich überschlagen: mehr als 10.000 dürften es sein, sagt Dominik Janoschka.

Davon kämen aber nur einige hundert für die Veröffentlichung in Frage – nämlich die besten. „Wir sind da schon perfektionistisch“, sagt Jan Piecha und zeigt eine Aufnahme mit der Silhouette eines Waschbären, der auf dem Ast einer Eiche vor dem Nachthimmel spaziert: Alle vier Beine zu sehen, der Kopf nicht zu weit unten, kein hereinragender Ast – passt.

Jan Piecha (links) und Dominik Janoschka.
Im Dunkeln auf © Privat

Für ein gutes Motiv braucht es Geduld – und Wissen über Leben und Vorlieben der Waschbären. Und so liegen die beiden Freunde, die sich über die Jugendgruppe der Gesellschaft für Naturfotografie kennengelernt haben, mal stundenlang im Gras, mal zwei Stunden im Müll. Dabei sind ihnen einzigartige Aufnahmen von den Wildtieren in der Natur und in ihren urbanen Lebensraum gelungen.

Während bislang allein die Tiere im Fokus standen, wollen Jan Piecha und Dominik Janoschka nun auch gezielt Aufnahmen machen, die zeigen, wie nah Waschbär und Mensch sich in der Stadt kommen. Denn der so possierlich aussehende Kleinbär sorgt keineswegs nur für Verzückung. Ob umgeworfene Mülltonnen, Randale auf Dachböden oder Attacken auf im Garten gehaltene Kaninchen: Viele Kasseler haben schlechte Erfahrungen mit Waschbären gemacht.

Eine Waschbärfamilie spaziert durch die Südstadt in Kassel.
Auf nächtlichem Streifzug: Eine Waschbärfamilie spaziert durch die Südstadt. © Dominik Janoschka

Um auch das zu dokumentieren, hoffen die beiden Waschbär-Fotografen auf Tipps aus der Bevölkerung: Wo sind die Tiere regelmäßig zu Gast in Häusern, weil sie vielleicht die Katzenklappe oder andere Schlupflöcher entdeckt haben? Gibt es einen Dachfirst, auf dem regelmäßig Waschbären balancieren? Wo hat der Waschbär gewütet und massiven Schaden hinterlassen? Gibt es Menschen, die – auch wenn davon ausdrücklich abgeraten wird – Findelkinder bei sich aufgenommen haben oder mit einem Waschbären als Haustier leben?

Sie gingen mit einer journalistischen Haltung an das Thema heran, betont Jan Piecha, der im Hauptberuf als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Kassel arbeitet: „Wir wollen nichts bewerten, aber wir wollen alles rund um die Waschbären dokumentieren.“

Ein Waschbär inmitten von Plastikmüll.
Inmitten von Müll: Als es in Kassel noch gelbe Säcke gab, waren diese für Waschbären ein gefundenes Fressen. © Jan Piecha

Auch den Kult um die Waschbär-Figur, die längst eine Art inoffizielles Maskottchen für Kassel ist und zahlreiche Sticker, Graffiti und Merchandise-Produkte ziert, haben sie fotografisch festgehalten. Im Lauf des Jahres wollen sie das Projekt abschließen, sagt Dominik Janoschka, der in Kassel Maschinenbau studiert.

Dann würden sie die Fotos gern in einem hochwertigen Bildband veröffentlichen. Europaweit gebe es nach ihren Recherchen bislang keine derartig umfassende Fotoarbeit zu Waschbären. Zum Erfolg des Projekts habe auch die Gemeinschaft beigetragen, betonen sie: „Allein wäre keiner von uns beiden so weit gekommen.“

Kontakt: kassel.waschbaer@gmail.com

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