Fotos vom fliegenden Auge über Kassel

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Aus der Sicht eines Vogels: Das Fridericianum am Friedrichsplatz, festgehalten vergangene Woche von der ferngesteuerten Luftbildkamera des Göttingers Michael Mehle. Das erweiterte Camp der Occupy-Bewegung war noch nicht aufgebaut.

Kassel. Das Surren über dem Friedrichsplatz wird lauter. Passanten recken ihre Hälse, schützen ihre Augen vor der Sonne und suchen den Himmel ab. Neugierig verfolgen sie, wie ein eigentümliches Fluggerät über Kassel kreist – die fliegende Kamera von Michael Mehle.

Der 44-jährige Göttinger ist mit seinem ferngesteuerten Fluggerät in Kassel, weil ihn der Kunsthochschüler Kai-Uwe Onken für ein Projekt gebucht hat. Der 50-Jährige nimmt an der Jahresausstellung der Kunsthochschule teil, die am Mittwoch, 11. Juli, startet und bis Sonntag, 15. Juli, geöffnet ist. Dafür will Onken die schönen Luftbilder aus der Aue und vom Friedrichsplatz mit Aufnahmen aus dem Pentagon in Washington kombinieren. Aufnahmen, die dokumentieren, wie amerikanische Politiker über tödliche Angriffe von Kampfdrohnen im Krieg entscheiden.

Keine Bedrohung

Kamera mit acht Rotoren: Michael Mehle mit seinem fliegenden Auge auf dem Friedrichsplatz.

Eine Bedrohung soll Mehles Luftbildkamera nicht sein. Er steuert das fliegende Auge in sicherer Höhe über die Schaulustigen auf dem Friedrichsplatz hinweg und lässt es einen Bogen vor der Elisabethkirche fliegen. Über dem Fridericianum aktiviert er die GPS-Funktion und lässt die Kamera automatisch in 70 Meter Höhe schweben. Sollte dem Piloten am Boden etwas zustoßen, würde das 1,7 Kilogramm leichte Gerät selbstständig am Startpunkt landen. Acht parallel angeordnete Rotoren geben der Konstruktion Stabilität. Die Kamera kann per Fernsteuerung in alle Richtungen geschwenkt werden. Mehle sieht, was die Kamera sieht: Ein Monitor am Steuerpult überträgt ein Livebild aus der Luft.

Nur mit Augenkontakt

Dennoch muss er stets Augenkontakt halten, so will es das Gesetz. Würde er die Luftbildkamera nur nach Monitor steuern, würde es sich um eine Drohne handeln – diese sind behördlichen und militärischen Einsätzen vorbehalten. Zudem muss er eine Aufstiegsgenehmigung einholen, bevor er die Luftbildkamera startet.

Ein Absturz des Fluggeräts käme den Piloten trotz Versicherung teuer zu stehen. Mit 60.000 Euro ist die Ausrüstung so viel wert wie ein Auto der oberen Mittelklasse.

Die Steuerung lässt sich nicht im heimischen Garten lernen. „Ohne Lehrgang sind aufwendige Flugmanöver nicht zu meistern“, sagt Mehle. Schwierige Manöver sind bei seinen Kunden gefragt. Hotels etwa, die ihren Kunden in einem Video nahtlos den Weg von einem Zimmer über den Balkon und die Poollandschaft zum Strand bis zum Meer zeigen wollen.

Von Sebastian Lammel

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