Zwei Kletterer im Alter von 18 und 24 stiegen an der Herkules-Baustelle auf 45 Meter hohen Kran

Fotos unter Lebensgefahr

Sensation in Kassel: Die Hessischen Nachrichten berichteten am 30. Mai 1952 über Stuntman Arnim Dahl als Klettermax auf dem Kasseler Rathaus.

Kassel. Zwei junge Männer haben sich vergangene Woche am Freitag gegen 18 Uhr an der Baustelle am Herkules in Lebensgefahr begeben. Ein 24-Jähriger aus Lohfelden und ein 18-Jähriger aus Kassel kletterten den über 45 Meter hohen Kran hoch und stellten sich dort auf das Führerhaus des Krans. Ungesichert. Von dort aus machten sie wohl Fotos.

Mehrere Spaziergänger, die oberhalb der Kaskaden am Herkules standen und in Richtung Stadt blickten, sahen die beiden Männer. Etliche Leute hätten zu den beiden nur hochgeguckt, sagt ein 43-Jähriger aus Kassel, der auch am Herkules war. Er habe sich große Sorgen um die Freikletterer gemacht, weil sie sich in Lebensgefahr gebracht hätten. Der Zeuge rief daher auch die Polizei.

Als eine Streife eintraf, seien die beiden Männer wieder am Kran runtergeklettert und dann von den Beamten in Empfang genommen worden, sagt Polizeisprecher Torsten Werner. „Es ist ein Wahnsinn, in welche Gefahr sich die beiden beim Roofing begeben haben.“ Roofing wird dieser Extremsport genannt, bei dem meist Jugendliche oder junge Männer ungesichert auf hohe Bauwerke klettern, um dort zu fotografieren oder Selfies zu machen.

Die beiden Roofer, so werden diese Sportler genannt, hätten eine Spiegelreflexkamera dabei gehabt, so der Polizeisprecher. Sie erzählten den Polizisten, dass sie Übersichtsaufnahmen von Kassel gemacht hätten.

Auch wenn die beiden großes Glück hatten, dass ihnen nichts passiert ist, so könnten die Fotos teuer werden. „Die beiden müssen damit rechnen, dass sie den Einsatz der Polizei bezahlen müssen“, so der Sprecher. Die Kosten dafür könnten im vierstelligen Bereich liegen. Zudem könnten sie wegen Hausfriedensbruchs angezeigt werden, weil der Kran in einem eingefriedeten Bereich stehe, sagt Werner. Eine Anzeige liege bislang aber noch nicht vor.

Zum Glück komme es in Kassel nicht so häufig vor, dass Roofer auf Türme kletterten, sagt Werner. Im Jahr 2011 gab es einen Fall auf dem Gelände der Universität. Da war ein junger Mann an einem ehemaligen Henschelschornstein hochgeklettert.

Der erste Stuntman

Solche gefährlichen Einlagen in der Stadt sind aber nicht immer illegal. Für Aufsehen sorgte am 29. Mai 1952 Deutschlands erster Stuntman Arnim Dahl (1922 bis 1998) in der Kasseler Innenstadt. Auf der höchsten Spitze des Rathauses machte er vor 2000 Schaulustigen einen Handstand. Für seine halsbrecherischen Kunststücke bekam Dahl, der 1938 deutscher Jugendmeister im Kunstspringen gewesen war, viel Applaus. Dahl doubelte in etwa 40 Filmproduktionen Stars wie Heinz Rühmann, Curd Jürgens und Kirk Douglas.

Dass sein Sport sehr gefährlich war, zeigte sich bei Dahls Sprung von einem 47 Meter hohen Kran in das Hafenbecken von Wilhelmshaven. Dabei brach er sich die Wirbelsäule und musste ein Jahr im Krankenhaus verbringen. Dahl erlitt in seinem Leben insgesamt mehr als 100 Knochenbrüche.

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