Von Belegungszahlen bis hin zu Tuberkulose-Verdacht

Flüchtlinge in der Region: Weitere Zelte werden aufgebaut

Jüngste Zeltsstadt in Hessen: In Stadtallendorf (Kreis Marburg-Biedenkopf) haben 600 Helfer am Wochenende kurzfristig Unterkünfte mit 750 Feldbetten aufgebaut. In der Nacht zu Sonntag kamen bereits 150 Menschen dort an. Foto: nh

Das Thema Flüchtlinge beschäftigt weiter viele Menschen in der Region. Täglich erreichen Anfragen von Lesern die HNA, auch in der Redaktion kommen Fragen auf. Diese haben wir dem Regierungspräsidium Kassel gestellt. Hier lesen Sie weitere Antworten im Überblick.

In Deutschland sind am Wochenende tausende neue Flüchtlinge angekommen. War auch Nordhessen von Neuankünften betroffen?

Über das Wochenende seien keine neuen Flüchtlinge nach Nordhessen gekommen, erklärt das Regierungspräsidium (RP) Kassel am Montagvormittag. Der Zulauf könne sich aber täglich, manchmal stündlich ändern.

Werden ganz aktuell neue Erstaufnahme-Unterkünfte in Nordhessen eingerichtet?

Ja, bis heute, 16 Uhr, soll eine neue Einrichtung in Hessisch Lichtenau eingerichtet sein, sagt das RP. Zunächst werden demnach Zelte für bis zu 750 Menschen aufgebaut. Später sollen winterfeste Leichtbauhallen folgen. Mit der Einrichtung wolle man auch Überbelegungsspitzen, etwa in Calden, abbauen. So sei zumindest die Planung. Auch das hänge aber vom Zulauf neuer Flüchtlinge ab. Eine weitere große Zeltstadt ist bereits in Mittelhessen in Stadtallendorf(Kreis Marburg-Biedenkopf) entstanden: Am Wochenende bauten 600 Helfer eine Einrichtung für bis zu 750 Flüchtlinge auf.

Wie viele Menschen leben derzeit in den Erstaufnahme-Einrichtungen der Region?

Laut RP waren es am Montagvormittag in Calden 1600, in Schwarzenborn 423 und in Beberbeck 193. In den Kasseler Einrichtungen sah die Belegung so aus: Landesfeuerwehrschule 479, altes Veterinäramt Druseltalstraße 307, ehemalige Lüttich-Kaserne Marbachshöhe 218. Auch das könne sich jederzeit ändern, so das RP.

Gibt es in der Flüchtlings-Zeltstadt in Calden tatsächlich den Verdacht auf Tuberkulose?

Ja, das hat das Regierungspräsidium am Montag auf HNA-Anfrage bestätigt. Es handele sich dabei um Verdachtsfälle, betonte das RP weiter. Zur genauen Diagnostik seien die zwei Betroffenen in ein Krankenhaus gebracht worden, so der Stand vom Montag.

Wohin sollen sich Menschen wenden, die als Übersetzer in den Einrichtungen helfen wollen?

Das Regierungspräsidium verweist auch in diesem Fall auf eine zentrale E-Mail-Adresse, über die man Hilfsangebote anbieten kann: heae-calden@rpks.hessen.de. Sie gelte für Angebote für alle Erstaufnahme-Einrichtungen des RP. Dieses Verfahren ermögliche es, das Angebotene bei Bedarf anzufordern und einen Überblick über alle Hilfsangebote zu erhalten. Im Fall der Dolmetscher würden vor allem Menschen benötigt, die Sprachen aus dem Raum des Nahen Ostens sowie aus afrikanischen Ländern wie Somalia und Eritrea sprechen.

Was ist dran am Gerücht, dass im leer stehenden Hornbach-Gartenmarkt in Lohfelden eine weitere Erstaufnahmeeinrichtung entstehen soll?

Das Regierungspräsidium hält sich hier noch bedeckt: „Das Objekt ist eines von mehreren, die wir prüfen und die grundsätzlich infrage kommen. Aber eine Entscheidung ist noch nicht gefallen“, sagte RP-Sprecher Harald Merz am Montag Nachmittag auf Anfrage der HNA.

Stichwort: Tuberkulose

Tuberkulose (TBC) ist eine weltweit verbreitete bakterielle Infektionskrankheit, die in den meisten Fällen die Lungen betrifft. Früher wurde die Erkrankung auch „Schwindsucht“ genannt. Tuberkulose wird durch Bakterien des Stamms Mycobacterium tuberculosis hervorgerufen. Die Ansteckung findet in der Regel per Tröpfcheninfektion statt. Nicht jede Infektion mit dem TBC-Erreger führt zwangsläufig zu einem Ausbrechen der Krankheit. Vor allem Menschen mit geschwächtem Immunsystem sind gefährdet. Die Symptome für eine Tuberkulose sind zunächst unspezifisch: Husten, Nachtschweiß und erhöhte Temperatur. Im weiteren Verlauf kann mit dem Husten grünlicher oder blutiger Auswurf einhergehen. Zur Diagnose wird in der Regel eine Röntgenuntersuchung gemacht. Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika – wegen der Ansteckungsgefahr ist ein Krankenhausaufenthalt nötig. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) wurden 2013 insgesamt 4318 Tuberkulosen übermittelt (5,3 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner). Die Zahlen waren damit stabil im Vergleich zu den Vorjahren.

Weitere Fragen und Antworten zum Thema Flüchlinge finden Sie hier.

Hinweis: Unter diesem Artikel werden nur Kommentare freigeschaltet, die sich ausschließlich mit dem im Text behandelten Aspekt des Flüchtlingsthemas auseinandersetzen.

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