Fragen und Antworten zur Massenschlägerei in Calden

In der Flüchtlings-Zeltstadt am alten Caldener Flugplatz ist es am Sonntagnachmittag zu einer Massenschlägerei gekommen. Es gab 14 Verletzte. Fragen und Antworten zu diesem Thema.

Wie kann es überhaupt sein, dass bei der Schlägerei von Flüchlingen Reizgas und Stöcke eingesetzt werden konnten – gibt es keine Kontrollen an den Eingängen?

Doch, es gebe Kontrollen an den Eingängen, erklärte Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke auf HNA-Anfrage. Allerdings seien dies Kontrollen der Identität. So komme nur in die Zeltstadt hinein, wer dort auch hineingehöre. Taschenkontrollen gebe es aber nicht. Man könne auch nicht verhindern, dass jemand Reizgas besitze. „Ich kann das nicht unterbinden“, so Lübcke. Manche allein reisenden Frauen hätten dies beispielsweise zum Selbstschutz schon während ihrer Flucht erworben. Und auch sonst ließen sich ein Besen oder Teile von Feldbetten eben auch als Schlagstock einsetzen, sagte der Regierungspräsident.

Wird das Sicherheitspersonal in Calden jetzt verstärkt? 

Dies sei schon in den vergangenen Wochen geschehen, erklärte der Regierungspräsident. Im Einsatz ist dabei eine Sicherheitsfirma aus dem Raum Frankfurt. Dabei achte man auch darauf, dass sich das Sicherheitspersonal angemessen verhalte – man habe daher auch schon einmal Personen austauschen müssen, so Lübcke. Zu weiteren Sicherheitsaspekten – etwa, ob es eine Kameraüberwachung im Bereich der Essensausgabe gebe – wollte sich das Regierungspräsidium nicht aktuell äußern. Es verwies aber darauf, dass die Zusammenarbeit mit der Polizei sehr gut sei und auch bei der Schlägerei funktioniert habe.

Sind die Menschen in der Zeltstadt eigentlich nach Nationalitäten oder Religionen getrennt? 

Bei der Einteilung achte man auf eine Unterbringung nach Nationalitäten, erklärte Harald Merz, persönlicher Referent des Regierungspräsidenten. Eine religiöse Trennung, etwa nach Christen und Muslimen, erfolge aber nicht. Religion spiele bei der Unterbringung keine Rolle, auch keine negative, so Merz. Die Streitigkeiten, die es bislang in Calden gab, hätten auch keinen religiösen Hintergrund gehabt.

Steht der Standort Calden nach der Schlägerei ganz aktuell zur Debatte?

Dr. Walter Lübcke

Nein. Es sei nach wie vor Ziel, die Flüchtlinge über den Winter in festen Unterkünften unterzubringen, erklärte das Regierungspräsidium. Dabeigehe man dreigleisig vor, erklärte Sprecher Harald Merz: Zum einen setze man auf winterfeste Container, zum anderen ließen sich fünf Großzelte auf dem Areal winterfest ausrüsten. Gleichzeitig würde weiter nach geeigneten Immobilien für Erstaufnahme-Einrichtungen in der Region gesucht.

Wie viele Menschen sind derzeit in Calden untergebracht? 

Am Montag waren es laut Regierungspräsidium in der Zeltstadt Calden 1440 Flüchtlinge. Die Zahlen für die weiteren Erstaufnahme-Einrichtungen der Region: Schwarzenborn 423, Hessisch Lichtenau 476, Beberbeck 250. In den drei Kasseler Einrichtungen des Regierungspräsidiums waren es demnach 500 in der Landesfeuerwehrschule, 285 im ehemaligen Veterinäramt Druseltalstraße und 207 in der ehemaligen Lüttich-Kaserne auf der Marbachshöhe.

Der Streit in Calden begann bei der Essensausgabe. Will man diese nun anders organisieren? 

Genau dies werde im Moment geprüft, sagte Harald Merz der HNA. Eine Neuorganisation sei aber nicht einfach, da man derzeit bei der Essensausgabe an eine Flugzeughalle räumlich gebunden sei. Man sei allerdings dabei, eine andere Lösung zu finden.

Gefährdet der Vorfall die Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen? 

Die Johanniter als Betreiber der Zeltstadt und der Rote-Kreuz-Kreisverband Hofgeismar verwiesen auf Anfrage am Montag auf das Regierungspräsidium Kassel. Von dort hieß es dann gestern, die Hilfsdienste seien in der Zeltstadt Calden unverändert engagiert.

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Rubriklistenbild: © L. Koch

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