33-Jähriger wohnte in Kassel

IS-Kämpfer vor Gericht: Vom möglichen Befehlshaber zum Angeklagten

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Mit einer Kladde vor dem Gesicht schützt sich der 33-jährige Angeklagte: Als „Emir“ soll der Mann mindestens 20 „IS“-Kämpfer befehligt haben. 

Ein 33-jähriger IS-Kämpfer aus Kassel steht in Frankfurt vor dem Oberlandesgericht. Der Syrer soll als Emir Männer der Terrormiliz Islamischer Staat befehligt haben. 

  • Ein IS-Kämper aus Kassel ist unter anderem wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung angeklagt.
  • Der Prozess läuft am Oberlandesgericht in Frankfurt.
  • Der Angeklagte schweigt zu den Vorwürfen. 

Wie einer der muskelbepackten, vollbärtigen Dschihadisten aus den Propagandavideos wirkt der eher schmal gebaute Mann mit dem hohen Haaransatz und dem schon etwas schütteren Haar nicht. 

IS-Kämpfer: Syrer kommandierte vermutlich mindestens 20 Männer

Doch der Syrer, der an diesem Mittwoch in den Verhandlungssaal des Oberlandesgerichts (OLG) Frankfurt geführt wird und beim Betreten des Saals sein Gesicht hinter einem Ordner verbirgt, soll als Emir mindestens 20 Männer der islamistischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kommandiert haben. 

Die Anklage wirft ihm Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung und einen Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vor.

Der Umgang mit Waffen soll dem heute 33 Jahre alten Mann bereits gut vertraut gewesen sein, als er sich laut Anklage 2013 dem IS anschloss. 

IS-Kämpfer soll zeitweise Befehlshaber gewesen sein

Schon seit 2011 soll er im syrischen Bürgerkrieg in verschiedenen Rebellengruppen gegen die Regierung gekämpft haben.

Als „Emir“ des IS soll er in der Stadt Rakka zeitweise Befehlshaber in mindestens einem Stadtviertel gewesen sein, soll zwei Geiseln genommen haben und auch mit sogenannten religionspolizeilichen Aufgaben die Einhaltung der Scharia, des islamischen Rechts, durch die Zivilbevölkerung überwacht haben.

In Kassel festgenommen

Der 33-Jährige wurde im November 2018 in Kassel, wo er zeitweise wohnte, in Zusammenhang mit einer anderen Ermittlung festgenommen. Die Kasseler Polizei wollte sich gestern auf HNA-Anfrage dazu nicht äußern. Auch der Syrer schweigt vor Gericht. 

Dabei wirkt es zunächst, als denke er über die Argumente des Vorsitzenden Richters des OLG Staatsschutzsenats nach: „Nach meinem Dafürhalten – und ich mache das schon ein paar Jahre – ist es die beste Verteidigung, seine Schuld freimütig zu bekennen“, versucht der Richter ihn zu überzeugen. 

Zwar sei natürlich auch ein Geständnis am Ende der Beweisaufnahme etwas wert – „aber nicht mehr so viel wie am Beginn“, wird um eine mögliche Aussage gefeilscht. 

Angeklagter schweigt

Nach einem längeren Gespräch mit den Verteidigern lässt der 33-Jährige dann aber doch über seine Anwälte erklären, dass er „zunächst“ keine Angaben zur Person und zur Sache machen wird.

Mit dem Eintritt in die Beweisaufnahme könnte sich also auch dieser Prozess hinziehen – bislang sind 14 weitere Verhandlungstage angesetzt. 

Weiterer IS-Kämpfer aus Kassel

Im vergangenen Jahr musste sich bereits ein andererIS-Kämpfer aus Kassel vor dem Oberlandesgericht in Frankfurt verantworten.

Sie schlossen sich dem IS an: Kasseler sucht nach seinen Söhnen

Ein weiterer Fall, der im Zusammenhang mit dem IS in der Region für Aufsehen gesorgt hat, ist der von Joachim Gerhard. Weil sich seine zwei Söhne der Terrormiliz Islamischer Staat angeschlossen hatten, reiste der Kasseler mehr als 20 Mal an die türkisch-syrische Grenze, um sie zu finden. 

Erinnerungen: Joachim Gerhard vermisst seine Jungs. Das Foto auf dem Bildschirm zeigt ihn (Mitte) mit seinen Söhnen Fabian (links) und Manuel im Jahr 2013 während eines Urlaubs in Dubai (Vereinigte Arabische Emirate).

2014 fuhren die Söhne angeblich zu einem Ausflug nach Österreich, 2015 sagten sie sich in einem Video von ihrem Vater los. Der Verfassungsschutz hält sie für tot, Gerhard hatte aber noch im April vergangenen Jahres Hinweise darauf, dass sie noch leben. Hier lesen Sie mehr über die verzweifelte Suche von Joachim Gerhard.

Von Eva Krafczyk/dpa und Ulrike Pflüger-Scherb

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