Lübcke-Prozess

Mordfall Walter Lübcke: Stephan Ernst will sich von Verteidiger trennen

Der Hauptangeklagte im Mordfall Lübcke, Stephan Ernst (M), spricht im Oberlandesgericht mit seinen Anwälten Mustafa Kaplan (l) und Frank Hannig.
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Stephan Ernst (Mitte) will sich von Anwalt Frank Hannig (rechts) trennen.

Nachdem einer der beiden Verteidiger von Stephan Ernst mehrere Anträge ohne sein Wissen stellt, beantragt der Hauptangeklagte die Entpflichtung des Anwalts.

  • Der Lübcke-Prozess wird fortgesetzt
  • Auseinandersetzung zwischen dem Verteidiger von Stephan Ernst und dem Vorsitzenden Richter
  • Stephan Ernst will sich jetzt von seinem Verteidiger trennen

Kassel/Frankfurt - Im Lübcke-Prozess vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt hat der Hauptangeklagte Stephan Ernst die Abberufung seines Pflichtverteidigers Frank Hannig beantragt. Das Vertrauensverhältnis sei „auf Dauer zerstört“, sagte der zweite Verteidiger Mustafa Kaplan.

Lübcke-Prozess: Anträge waren nicht mit Ernst abgesprochen

Trotz unterschiedlicher Verhandlungsstrategien der beiden Anwälte sah Hannig eine Entpflichtung als nicht gerechtfertigt. Er verwies darauf, dass er sich seit einem Jahr mit dem Verfahren befasse. Nach einer Nachfrage des Richters bestätigte Ernst ausdrücklich, dass er sich von Hannig als Verteidiger trennen wolle.

Nach einer dreiwöchigen Sommerpause wurde der Prozess am Montag (27.07.2020) wieder aufgenommen. Dabei kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Vorsitzenden Richter Thomas Sagebiel und Frank Hannig. Der Pflichtverteidiger von Ernst hatte mehrere Anträge eingereicht, die offenbar nicht mit seinem Mandanten abgesprochen waren. Dies räumte Hannig auf Nachfrage des Gerichts ein.

Richter Thomas Sagebiel sagte, er sei „einigermaßen sprachlos“ und fügte hinzu: „Wenn ich solche Anträge bekomme, muss ich mir Gedanken machen, ob der Angeklagte eine wirksame Verteidigung hat.“

Prozess in Frankfurt: Verteidiger Kaplan distanziert sich von Anträgen

Frank Hannig wollte unter anderem einen Einbruch in das Regierungspräsidium von Kassel untersuchen lassen, welcher sich kurz vor dem Mord an Walter Lübcke im Juni 2019 ereignete. Auch die Funkzellendaten zweier Zeugen sollten geprüft werden, die womöglich ebenfalls am Tatort gewesen seien könnten.

Ernst zweiter Verteidiger, der Kölner Anwalt Mustafa Kaplan, distanzierte sich auch im Namen seines Mandanten ausdrücklich von den gestellten Anträgen. Daher entschloss sich das Frankfurter Gericht zu einer 30-minütigen Pause, damit Kaplan mit seinem Mandanten über das weitere Vorgehen im Prozess beraten könne.

Video: Prozess im Mordfall Lübcke begann schleppend

Der Angeklagte Stephan Ernst verstrickt sich beim Prozess im Frankfurt bisher in abweichenden Antworten. Auch ein Blick auf den Mitangeklagten Markus H. ist interessant. (Nail Akkoyun mit dpa)

Ein Videos mit dem Geständnis des mutmaßlichen Lübcke-Mörders Stephan Ernst ist für jeden auf Youtube* zugänglich. In der Geschichte des Prozesses gelangten bereits einige Interna an die Öffentlichkeit.

*HNA.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Netzwerkes

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