In Kassel wurden die ersten Industriemeister für Luftfahrtelektronik ausgebildet

Franziska ist die Beste

Die bundesweit ersten Industriemeister Fachrichtung Luftfahrtelektronik (von links): Christian Haustein, Martin Behrens, Ivan Hergert, Martin Schlieker, Christoph Müller, Norman Sommerwerk, Carsten Barthel und Franziska Pinnow. Foto: Zgoll

Kassel. Sie ist 26, angehender Feldwebel und die bundesweit erste und einzige Industriemeisterin in der Fachrichtung Luftfahrtelektronik: Franziska Pinnow.

Und sie ist die beste Absolventin des ersten Lehrgangs dieser Art überhaupt. Gestern erhielt sie im Kasseler Trainingscenter des Hubschrauber-Herstellers Airbus Helicopters (bislang Eurocopter) in Kassel gemeinsam mit sieben männlichen Kollegen den Meisterbrief. Fortan wird die junge Frau auf dem Fliegerhorst Schleswig in Jagel bei Flensburg die Verantwortung für Wartung und Reparatur der dort stationierten Bundeswehr-Tornados übernehmen sowie Luftfahrtelektroniker ausbilden und führen.

Fast ein Jahr war sie mit ihren Mitmeisterschülern in Kassel und ist ganz begeistert von Stadt und Umland: „Wir würden alle gern länger bleiben“, sagte sie. Die Teilnehmer hätten viel Spaß in Kassel gehabt, an der Schule habe eine „tolle Atmosphäre“ geherrscht. Gleichwohl sei der Meisterlehrgang sehr anspruchsvoll gewesen, aber die „tollen Lehrer“ hätten viel geholfen.

Der Industriemeister Luftfahrtelektronik ist bundesweit Neuland. Bislang wurde dieser Job vom Industriemeister Luftfahrttechnik miterledigt, von denen gestern frischgebackene 21 ihre Zeugnisse erhielten. Weil aber immer mehr Elektronik in die Technik einziehe und Sicherheitsanforderungen und damit auch die Spezialisierung wüchsen, sei der neue Beruf mithilfe der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg entstanden, sagte der Leiter des Trainingscenters und luftfahrttechnischen Schule, Dr. Georg Haindl.

Er dankte der IHK für die Pionierarbeit auf diesem Gebiet. Sie habe nicht nur das Berufsbild mitentwickelt, sondern auch Prüfkriterien definiert und auch mit der Prüfungsabnahme Neuland betreten. Die gesamte Branche schaue nach Kassel. Dass die ersten Industriemeister für Luftfahrtelektronik in Nordhessen und nicht in den Avionik-Hochburgen in Süd- und Norddeutschland ausgebildet wurden, ist bemerkenswert und unterstreicht den hohen Anspruch des Trainingszentrums auf der Marbachshöhe.

Haindl führte dies aber auch auf die „sehr gute Zusammenarbeit“ mit IHK, benachbarter Bundeswehrfachschule und dem Karrierecenter der Bundeswehr zurück.

Das Trainingscenter, in dem vor allem Fluggerätemechaniker aus- und weitergebildet werden, ist auch bundesweit eine Besonderheit. Eine ähnliche Einrichtung betreibt hierzulande nur noch die Lufthansa. Für Ausbildungsinhalte, die Hubschrauber betreffen, muss aber auch sie ihre Leute nach Kassel schicken. Hauptkunde der Schule ist natürlich die Bundeswehr.

Daneben schicken Polizei Rettungsdienste, ADAC und private Luftfahrtdienstleister ihr Fachpersonal nach Kassel. Hier unterhält die Einrichtung mehrere Schulungswerkstätten und die einzige Simulationswerft Deutschlands mit mehreren Hubschrauber- und Flugzeugtypen, darunter ein Riesensegment einer A310.

Von José Pinto

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