Nach Berufungsverhandlung: 59-Jähriger muss wegen Dachdeckertrick ins Gefängnis

Frau um Erspartes betrogen

Kassel. Seine Opfer waren mal 77, mal 90 Jahre alt. Mal gehbehindert, mal halb erblindet. Und immer Frauen. Weil er Rentnerinnen mit dem sogenannten Dachdeckertrick um ihr Erspartes brachte, hat ein 59 Jahre alter Mann aus Osnabrück bereits in fünf Städten vor Gericht gestanden.

Zuletzt in Kassel: Im November 2010 wurde er vom hiesigen Amtsgericht zu acht Monaten Gefängnis verurteilt – und wollte das trotz seines langen Sündenregisters nicht akzeptieren. In der Berufungsverhandlung am Dienstag wurde das Strafmaß jedoch vom Landgericht bestätigt. „Acht Monate sind die Untergrenze“, befand Strafkammervorsitzender Hans Drapal. „Sie haben nicht nur betrügerisch Geld erlangt, sondern auch noch zusätzlichen Schaden angerichtet.“

Im Juni 2009 hatte der Hartz-IV-Empfänger, der zusammen mit zwei Kompagnons als reisender Dachdecker unterwegs war, einer damals 87 Jahre alten Frau in Niederzwehren 3200 Euro für vermeintliche Reparaturarbeiten an ihrem Hausdach abgeknöpft. Statt ein angebliches Loch zu stopfen, hatten die Betrüger nur ein paar Ziegel verschoben. Mit der Folge, dass es danach kräftig reinregnete.

Gleichwohl konnte der Angeklagte mit seiner Berufung einen kleinen Erfolg erringen. Denn das Urteil musste mit einer anderen einschlägigen Entscheidung zu einer Gesamtstrafe verbunden werden: Ebenfalls im vergangenen Jahr war der Mann in Essen zu einem Jahr Haft verurteilt worden. Und da die Justiz in solchen Fällen nicht schlicht addiert, lautete das Ergebnis am Ende: 15 Monate Gefängnis. Ein überdurchschnittlicher Rabatt.

Die Strafkammer honorierte damit, dass der 59-Jährige anders als vor dem Amtsgericht nicht mehr seine Unschuld beteuert hatte. Und sie berücksichtigte die „besondere Strafempfindlichkeit“ des Mannes, der nach einem Herzinfarkt gesundheitlich angeschlagen ist.

Wie ein Gefängnis von innen aussieht, wird den Angeklagten allerdings nicht überraschen: Mehr als 20 Vorstrafen hat er seit seiner Jugend angesammelt und bereits etliche Jahre hinter Gittern verbracht.

„Sie haben seit 1968 eine Reise quer durchs Strafgesetzbuch unternommen“, sagte Drapal. Körperverletzung, Diebstahl, Sachbeschädigung. Unter anderem. Und vor 15 Jahren zum ersten Mal der Dachdeckertrick: Rentnerinnen wird angeboten, preisgünstig ihre Dachrinnen zu reinigen – und dann werden sie damit überrumpelt, dass ihr Dach dringend repariert werden müsse. Zu horrenden Preisen: Der Niederzwehrenerin hatten der Angeklagte und seine Mittäter sogar noch weitere 6500 Euro abgeschwatzt.

Nur weil eine aufmerksame Bankangestellte Verdacht schöpfte, konnten sie den Scheck der Seniorin nicht mehr einlösen. (jft)

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