33-jähriger Mann angeklagt

Letzte Rettung vor Vergewaltigung: Frau springt aus Fenster

Eine goldene Justizia steht vor einem Aktenstapel
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Mann steht wegen versuchter Vergewaltigung vor Gericht (Symbolbild)

Ein Mann steht wegen versuchter Vergewaltigung vor Gericht. Sein Opfer konnte sich nur durch einen Sprung aus dem zweiten Stock retten. 

Kassel – Wegen versuchter Vergewaltigung steht seit Donnerstag ein 33-jähriger Mann aus Eritrea vor dem Amtsgericht. Eine damals 20-jährige Frau – ebenfalls aus Eritrea – war im Dezember 2015 auf der Flucht vor dem Angeklagten aus dem Fenster im zweiten Stock eines Wohnhauses an der Ludwig-Mond-Straße gesprungen und hatte sich dabei schwere Verletzungen zugezogen.

Vor Amtsrichterin Ariane Hahn und ihren Schöffen hatte eine hochgewachsener schlanker Mann mit gepflegtem Äußeren und einem silbernen Kreuz um den Hals auf der Anklagebank Platz genommen, der seit 2013 in Deutschland lebt.

Staatsanwältin Angela Rek warf ihm in ihrer Anklage vor, die junge Frau in seiner Wohnung zum Geschlechtsverkehr aufgefordert zu haben. Mit den Worten: „Eher springe ich aus dem Fenster“ soll sich die Frau tatsächlich aus dem Fenster gestürzt haben. Beim Aufprall zog sie sich eine Beckenfraktur zu, überlebte den Sturz in die Tiefe allerdings.

Beide hatten sich laut Anklage auf einem Kirchenfest der eritreischen Gemeinde in Frankfurt getroffen und bis in die frühen Morgenstunden bei Musik und Gesang gefeiert. Obwohl die Frau in Offenbach lebt, fuhr sie gegen fünf Uhr am 6. Dezember 2015 mit nach Kassel, wo sie der Angeklagte in seine Wohnung einlud.

Zunächst habe er der jungen Frau eine Schlafgelegenheit auf dem Sofa aufgebaut, er selbst habe ins Schlafzimmer gehen wollen. Dann aber habe er die Tür verschlossen, sich bis auf die Unterhose ausgezogen und gesagt, dass er jetzt mit ihr schlafen wolle, sie „sei jetzt seine Frau“, berichtete der Mann vor Gericht.

Als die Frau ihm sagte, sie wolle nicht, weil sie verheiratet sei, habe er geantwortet, dies sei ihm egal. Als die Frau sich gegen die Annäherungsversuche wehrte, habe er sie ins Gesicht geschlagen, sagte Staatsanwältin Rek. Die 20-Jährige kletterte daraufhin über die Fensterbank und ließ sich fallen.

Auf Fragen der Richterin erklärte der Angeklagte, er kenne die Frau seit drei Jahren, Wochen vor dem Kirchenfest habe man Liebeserklärungen per Telefon ausgetauscht.

„Wenn sie keinen Geschlechtsverkehr wollte, warum ist sie dann aus Frankfurt mitgekommen“, fragte der Angeklagte über die Dolmetscherin. Er habe noch versucht, die sich am Fensterrahmen festklammernde Frau ins Zimmer zu ziehen, sie sei ihm jedoch entglitten.

Die heute 25-jährige Zeugin brach immer wieder in Tränen aus, als sie das Geschehen aus ihrer Sicht schilderte. Im Gegensatz zu dem Angeklagten habe sie auf dem Fest keinen Alkohol getrunken. Der Mann hatte behauptet, beide seien angetrunken gewesen.

Warum sie überhaupt mit nach Kassel kam anstatt nach Offenbach nach Hause zu fahren, konnte sie in der Verhandlung vor Gericht nicht so recht erklären. Der Angeklagte habe ihre Geldbörse und ihren Personalausweis gehabt.

Das Verfahren wird am Donnerstag, 29. Oktober, mit den Plädoyers fortgesetzt. Aller Voraussicht nach ist in dieser Verhandlung auch mit dem Urteil zu rechnen. (Von Thomas Stier)

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