Streit in der Trinkerszene am Wehlheider Platz

Trinkerszene am Wehlheider Platz: Frau hilft betrunkenem Opfer

Hat Courage bewiesen: Die 23-jährige Milena Teichert half einem 66-Jährigen, der zur Trinkerszene am Wehlheider Platz gehört. Foto: Herzog

Kassel. Die Trinkerszene am Wehlheider Platz sorgt immer öfter für Unmut. Die 23-jährige Milena Teichert aus Wehlheiden beobachtete am Donnerstagabend eine Auseinandersetzung dreier betrunkener Männer und griff beherzt ein.

Die 23-Jährige half einem 66-Jährigen, der ihrer Ansicht nach zuvor von zwei Bekannten geschlagen worden war.

„Der alte Mann konnte nicht fassen, dass ihm jemand hilft. Er scheint es wohl gewöhnt zu sein, dass er misshandelt wird“, sagt Teichert. Sie habe gegen 23.30 Uhr an der Haltestelle Kirchweg gewartet, als der ältere Mann mit einem eingeschlagenen und blutenden Gesicht auf sie zugekommen sei. Er habe sie zunächst nach einer Zigarette gefragt. Dann habe sie die beiden anderen Männer gesehen, die wesentlich jünger waren. Der ältere Mann sei vor den beiden weglaufen, über die Wilhelmshöher Allee, die beiden hinterher. Dort sei der Ältere, der sehr betrunken gewesen sei, fast von einem Auto angefahren worden. „Ich habe die beiden Typen angeschrien, sie sollen den Mann von der Straße holen.“ Dann rief Milena Teichert die Polizei und zog den verletzten Mann selbst auf eine Verkehrsinsel. Der habe ihr mehrmals gesagt, dass er von den beiden geschlagen worden sei. Besonders geärgert hat sich die 23-Jährige darüber, dass zwei weitere Männer, die an der Haltestelle warteten, den Vorfall beobachtet, aber nicht geholfen hätten. Die hätten über den verletzten Mann nur gelacht.

Die Polizei geht allerdings davon aus, dass der 66-Jährige nicht von seinen Kumpanen geschlagen worden ist. Laut Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch hätten die beiden Männer, 39 und 41 Jahre alt, erklärt, dass sie zunächst mit dem 66-Jährigen gezecht hätten. Der sei drei Tage zuvor von anderen Männern ins Gesicht geschlagen worden, auf den Wunden hatte sich Schorf gebildet. Der 66-Jährige habe am Donnerstag versucht, den Schorf abzukratzen und deshalb geblutet. Seine Kumpane hätten das unterbinden wollen, daraufhin sei der Mann auf die Straße gelaufen. Die Verletzungen des Mannes sprächen für die Version der beiden Männer, die 1,3 beziehungsweise 2,8 Promille Alkohol im Blut gehabt hätten. Der 66-Jährige sei dermaßen betrunken gewesen, dass ein Atemalkoholtest nicht mehr möglich gewesen sei.

Milena Teichert hat einen anderen Eindruck von dem Vorfall gewonnen. Aber von der Schuldfrage abgesehen, traut sich die Verkäuferin kaum noch, abends allein über den Wehlheider Platz zu gehen. „Dabei war das mal eine der besten Wohngegenden Kassels.“ Zehn bis zwölf Frauen und Männer der Trinkerszene hielten sich mittlerweile regelmäßig auf dem Platz auf. Manche seien nett, andere sehr aggressiv, wie die Männer am Donnerstag, sagt Teichert. „Erst trinken sie zusammen, dann schlagen sie sich die Köpfe ein.“

Ihre Mutter und sie seien vor Wochen bereits im Vorraum der Kasseler Sparkasse, der regelmäßig vollgepinkelt sei, von Trinkern belästigt worden.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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