Prozessauftakt vor Landgericht: 33-Jähriger gestand die Tat – Mitangeklagter flüchtig

Frau auf Sofa vergewaltigt

Kassel. In einem Vergewaltigungsprozess vor dem Kasseler Landgericht bleibt einer der beiden Angeklagten weiter verschwunden. In der vergangenen Woche war die Verhandlung vor der 5. Strafkammer vertagt worden, weil der 33-Jährige unauffindbar war, ein Fahndung ergab lediglich, dass er sich eventuell in Neuseeland aufhält.

Deshalb wurde am Mittwoch das Verfahren gegen den gleichaltrigen Mitangeklagten abgetrennt. Der packte dann aus und gestand, was in der Anklageschrift steht.

Im Oktober 2008 hatten sich die beiden demnach mit einer heute 20-Jährigen und deren Freund zum Fernsehen verabredet. Nebenbei wurde Marihuana geraucht und Alkohol getrunken. Dem Freund der jungen Frau wurde plötzlich übel, er musste sich übergeben und zog sich ins Schlafzimmer zurück. Seiner Freundin erging es kurz darauf ähnlich, sie legte sich auf die Couch.

Wenig später zogen die beiden Männer sie aus. So offenherzig berichtete es der Angeklagte, der zur Verhandlung erschienen war. Er selbst, gab er zu, manipulierte am Intimbereich der Frau, sein Kumpan soll währenddessen mit einem Fotoapparat Bilder davon geschossen haben.

Das Gesicht der Frau sei mit einem schwarzen Tuch bedeckt worden. „Da fing sie an zu weinen, deshalb hörten wir auf.“

Weil kein Alkohol mehr im Hause war, fuhren die beiden in die Wohnung des geständigen Angeklagten, um dort außer Alkohol auch eine Spritze mit „K.o.-Tropfen“ zu holen. Die hatte er einige Tage zuvor für sich selbst gekauft. „Ich dachte, es wirkt wie Ecstasy.“

Als die beiden zurück in die Wohnung kamen, lag die junge Frau noch immer unbekleidet auf dem Sofa. Für sie war die Tortur längst nicht beendet, denn der Angeklagte packte sie, öffnete ihr gewaltsam den Mund, und der andere Mann flößte ihr die Tropfen ein, was dann wohl misslang. „Die Wirkung trat nicht ein“.

Die beiden Männer hätten, so war nach den Angaben des Angeklagten der Plan, weitere pornografische Aufnahmen von ihr machen wollen. Doch dann ließen sie von ihr ab, sie weckte nebenan im Schlafzimmer ihren Freund, mit einem Taxi fuhren die beiden nach Hause und machten später eine Anzeige.

„Ich hatte versucht, Hilfe zu rufen, doch einer hielt mir den Mund zu“, berichtete die 20-Jährige am Mittwoch.

Ihr Freund sagte als Zeuge, einer der Angeklagten habe ihm, als er im Schlafzimmer lag, ein Glas mit bitter schmeckenden Tropfen zu trinken gegeben, „danach gingen bei mir die Lichter aus“.

Opfer heute in Therapie

Seine damalige Freundin, von der er sich inzwischen trennte, habe sich nach dem Vorfall stark verändert, „sie wurde schnell aggressiv, man konnte kaum noch mit ihr reden“. Sie selbst berichtete am Mittwoch von Schlafstörungen und Angstzuständen. Gegenwärtig befindet sie sich in einer Therapie.

Am kommenden Montag wird der Prozess vor der 5. Strafkammer fortgesetzt, eventuell gibt es dann ein Urteil.

Von Ralf Pasch

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