Auch Kasseler Mütter werden immer älter

Schwangerschaft einer 65-Jährigen: "Das ist Wahnsinn"

Kassel. Im Kreißsaal sind Frauen um die 40 keine Seltenheit mehr: Das Alter der Mütter bei der Geburt ihrer Kinder hat sich in Kassel in den vergangenen Jahren stetig erhöht.

Von den 3367 Babys, die 2013 in Stadt und Landkreis Kassel geboren wurden, hatten mehr als die Hälfte Mütter, die über 30 Jahre alt sind. Der Anteil der Mütter über 40 Jahren lag bei 3,5 Prozent.

1990 lag der Anteil der Gebärenden über 40 Jahren nach den Zahlen des Statistischen Landesamts noch bei einem Prozent. Damals war etwa ein Drittel der Mütter älter als 30.

Im Kasseler Klinikum hat in diesem Jahr eine Frau im Alter von 49 Jahren ihr Kind zur Welt gebracht - das ist nach den Aufzeichnungen des Krankenhauses das bislang höchste Alter einer Gebärenden in Kassel. Das Durchschnittsalter bei der Entbindung im Klinikum lag im vergangenen Jahr bei knapp über 30 Jahren.

Grund für die Entwicklung sei, dass Paare den Zeitpunkt, an dem sie Kinder haben wollen, heutzutage in der Regel planen, sagt Dr. Andreas Worms, Leiter der Geburtshilfe im Klinikum. Auch Frauen wollten sich häufig erst im Beruf etablieren, bevor sie eine Familie gründen. Ab Mitte 30 lässt die Fruchtbarkeit aber deutlich nach, Frauen werden dann häufig nicht mehr so leicht schwanger. Zudem berge eine Schwangerschaft im fortgeschrittenen Alter mehr Risiken für die werdende Mutter, aber auch für eine genetische Erkrankung des Kindes.

Der nach hinten verschobenen Kinderwunsch sorgt auch für mehr Zulauf im Zentrum für Reproduktionsmedizin am Klinikum: Immer mehr Paare, die auf natürlichem Weg nicht schwanger werden, suchen dort Hilfe - etwa durch eine künstliche Befruchtung. Ab einem Alter von 45 Jahren rate man Frauen in der Regel von einer Fertilitätsbehandlung ab, sagt Dr. Marc Janos Willi. Die Schwangerschaft einer 65-Jährigen aus Berlin, die derzeit weltweit Schlagzeilen macht, hält er für „Wahnsinn“.

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