Frauenempfang im Kasseler Rathaus

"Frauenpower von Kassel ist hier versammelt"

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Gastgeberinnen und Festrednerin im Rathaus: (von links) Die Stadträtinnen Brigitte Bergholter, Anne Janz (hauptamtlich), Esther Haß, Barbara Herrmann-Kirchberg, die frühere hessische Sozialministerin Barbara Stolterfoht (erste Frauenbeauftragte in Kassel) und Dr. Marlis Wilde-Stockmeyer. Foto:  Fischer

Kassel. „Raus mit den Männern aus dem Reichstag, raus mit den Männern aus dem Landtag, raus mit den Männern aus den Herrenhäusern“, schmetterte in den 1930er-Jahren die Sängerin und Kabarettistin Claire Waldoff in Berlin. Die Kasseler Künstlerin Sabine Wackernagel interpretierte dieses freche Lied in Begleitung von Lisa Sommerfeld am Klavier zum Auftakt des diesjährigen Frauenempfangs im Kasseler Rathaus.

„Ich habe in den Notenheften unserer Mütter und Großmütter geblättert“, sagte Wackernagel zur Begrüßung. Jenen Frauen, die zum Teil aufmüpfiger gewesen seien als ihre Enkelinnen Jahrzehnte später.

Dass die Frauen in Kassel in den 70er- und 80er-Jahren für Gleichberechtigung und Interessenvertretung kämpften, wurde allerdings am Samstag deutlich. Beim Empfang im Bürgersaal stand die Eröffnung des Frauenbüros im Rathaus vor 30 Jahren im Mittelpunkt. Den Festvortrag hielt die erste Frauenbeauftragte der Stadt Kassel: die frühere hessische Sozialministerin Barbara Stolterfoht (SPD).

Als sie am 1. April 1984 ihre Arbeit unter dem damaligen Oberbürgermeister Hans Eichel (SPD) aufgenommen habe, gab es überhaupt keine Arbeitsplatzbeschreibung für den Job gegeben, erinnerte sich Stolterfoht. Nur einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung, wonach die Gleichstellung von Frauen in der Stadt vorangetrieben werden sollte.

Es hat sich etwas bewegt: 1984 gab es mit Christine Schmarsow nur eine Dezernentin im Kasseler Rathaus (bundesweit war sie auch die einzige). Ein Jahr später saßen bereits vier Dezernentinnen im Magistrat, zwischen 1993 und 1997 war die Hälfte der zehn hauptamtlichen Dezernenten weiblich.

Heutzutage gibt es im hauptamtlichen Magistrat mit Dezernentin Anne Janz (Grüne) nur noch eine Frau. Nichtsdestotrotz ist Janz keine Einzelkämpferin für Frauenrechte. Beim Empfang standen ihr die ehrenamtlichen Stadträtinnen Brigitte Bergholter, Esther Haß, Barbara Hermann-Kirchberg, Heike Mattern, Annett Martin und Dr. Marlis Wilde-Stockmeyer als Gastgeberinnen zur Seite. Janz freute sich, dass viele (weit über 150) engagierte Frauen aus Kassel aus den Bereichen Wirtschaft, Kultur, Universität, Gewerkschaft, Schulen, Kitas Vereine und Verbände der Einladung gefolgt waren. „Es werden jedes Jahr mehr.“

Festrednerin Stolterfoht sagte: „Die Frauenpower von Kassel ist hier versammelt.“

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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