Neuer SPD-Chef machte das Rennen dank prominenter Unterstützer

Volles Haus: 275 Mitglieder beteiligten sich am Parteitag der Kasseler SPD, mehr als die Parteispitze zuvor erwartet hatte.

Kassel. Anke Bergmann selbst spielte die Frauenkarte in ihrer Bewerbungsrede auf dem SPD-Parteitag nicht. Sie versuchte mit Themen wie dem Einsatz für bezahlbaren Wohnraum und Berufsperspektiven für junge Menschen zu punkten.

Mehrere ihrer Unterstützer dagegen betonten, dass es der Kasseler SPD gut zu Gesicht stünde, wenn die Partei eine Frau an der Spitze hätte. Lautstarken Beifall erntete zum Beispiel der frühere Ortsvorsteher der Südstadt Harald Doenst, als er beklagte, dass sämtliche Spitzenposten der Kasseler SPD vom Oberbürgermeister bis hin zu den Landtagsabgeordneten von Männern besetzt seien. „Ich komme mir manchmal vor wie in der katholischen Kirche“, sagte Doenst und forderte. „Frauenpower auf die Dauer.“

Doch der Einsatz von Bergmanns Fürsprechern wurde nicht belohnt. Sie kam bei der Wahl zum Parteivorsitz auf knapp 36 Prozent der Stimmen und musste Uwe Frankenberger den Vortritt lassen, der 54 Mitglieder mehr auf seiner Seite hatte.

Ein Grund dafür dürften auch die prominenten Unterstützer gewesen sein. Nicht nur sein Intimus Christian Geselle, Vorsitzender der SPD-Stadtverordnetenfraktion, warb für ihn, sondern auch Oberbürgermeister Bertram Hilgen. Sie betonten Frankenbergers langjährige Erfahrung beim Führen von Wahlkämpfen, auf die es in den kommenden zwei Jahren maßgeblich ankomme.

Gewählt: Uwe Frankenberger (Mitte) entschied die Wahl gegen Anke Bergmann zum Vorsitz der Kasseler SPD für sich. Er ist Nachfolger von Jürgen Kaiser, der nicht wieder zur Wahl stand. Fotos: Schachtschneider

Der neue Parteivorsitzende hatte in seiner Bewerbungrede denn auch auf die Kommunalwahl 2016 und die Oberbürgermeisterwahl 2017 eingeschworen, bei denen er die CDU als stärksten Gegner erwartet. „Kassel darf nicht schwarz werden“, mahnte Frankenberger. Ebenso wie seine Mitbewerberin Anke Bergmann mahnte der 59-Jährige weitere parteiinterne Reformen an. „Wir müssen auch über die Ortsvereins-Strukturen reden“, sagte Frankenberger. Aber bei all dem dürfe man die Partei nicht überfordern und alles auf einmal wollen.

Ein Ergebnis des bisherigen Reformprozesses in der Kasseler SPD war schon der Parteitag selbst, an dem erstmals theoretisch alle 1500 Mitglieder hätten teilnehmen können. 275 kamen, was nicht nur vom scheidenden Parteichef Jürgen Kaiser als großer Erfolg gewertet wurde. Zum Vergleich: Bei vorangegangenen Parteitagen wurden stets etwa 140 von insgesamt 200 stimmberechtigten Delegierten gezählt.

Überhaupt betonten viele Genossen die Geschlossenheit der Partei. Trotz Kampfkandidatur lobte Frankenberger das spannende, aber faire Klima beim parteiinternen Wahlkampf im Vorfeld. So sah es auch Anke Bergmann, die enttäuscht war, aber das Ergebnis respektierte. Zugleich mahnte sie, dass die Partei auf ein ausgwogenes Geschlechterverhältnis achten müssen.

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