Energie aus der Mitte

Fraunhofer-Neubau am Kulturbahnhof soll Kassel zum Forschungszentrum machen

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60.000 Quadratmeter in bester Innenstadtlage: Auf der Nordseite des Kulturbahnhofs wird bis 2018 das Zentrum der Kasseler Fraunhofer-Institute entstehen. Die alten Lagerhallen bis zum alten Zollamt (hinten rechts) müssen weichen.

Kassel. Die Energiewende findet bald mitten in Kassels Innenstadt statt. 60 Millionen Euro soll der Neubau des Fraunhofer-Instituts kosten, der bis 2018 nördlich des Kulturbahnhofs entstehen soll.

Die Pläne dafür stellten Baudezernent Christof Nolda   (Grüne) und Vertreter von Fraunhofer nun vor mehr als 150 Interessierten im Bürgersaal des Rathauses vor.

Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs sollen die bisher in Kassel verteilten Standorte des Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik (Iwes) und des Instituts für Bauphysik (IBP) gemeinsam angesiedelt werden. Auf 32 000 Quadratmetern werden dann mehr als 500 Mitarbeiter vor allem darüber forschen, wie man Windkraft, Solarenergie und Biomasse zusammenbringen kann. Auf den restlichen 28 000 Quadratmetern sollen Firmen mit ähnlicher Ausrichtung angesiedelt werden. Ziel ist ein europäisches Forschungsnetzwerk, das von Kassel aus gesteuert wird.

Die Disziplin Energiesystemtechnik ist für Iwes-Leiter Clemens Hoffmann entscheidend bei der Energiewende. Über den Neubau sagt er, er werde Strahlkraft haben - und meinte das nicht nur in architektonischer Hinsicht.

Der Abriss beginnt im Sommer: Dann muss auch das alte Zollamt weichen, wo derzeit Ödnis herrscht.

Dass der Fraunhofer-Neubau Kassel noch attraktiver machen wird, daran gibt es in der Stadt keinen Zweifel, wohl aber über das Wie. Fast 2500 Menschen unterzeichneten seit September die Online-Petition „Kein Zweites Salzmann am Kulturbahnhof Kassel!“. Die Initiatorinnen fordern, dass die freie Kulturszene, die bislang Ateliers und Clubs auf dem Gelände der Bahn angemietet hatte, dort weiterhin Platz findet.

Dem erteilte Baudezernent Nolda erneut eine Absage. Mit dem Abriss der Lagerhallen und des alten Zollamts soll im Sommer begonnen werden. Baustart ist im Herbst. Im Juni sollen die Ergebnisse eines bereits ausgeschriebenen Architekturwettbewerbs präsentiert werden. Hoffmann rechnet mit 200 Bewerbungen renommierter Büros aus ganz Europa. Finanziert wird der Neubau je zur Hälfte vom Bundesforschungsministerium und dem Land Hessen.

Für Nolda ist der Neubau ein „wichtiger Baustein“ für ganz Kassel. Gila Kolb, eine der Initiatorinnen der Petition, konnte er jedoch nicht überzeugen. Sie fragt sich etwa, warum das alte Zollamt bei den Plänen von den Architekten nicht berücksichtigt werden kann. Doch Fraunhofer, so lautet die Devise der Stadt, soll nichts im Weg stehen.

Die Petition der Kulturszene war damit erfolglos, sie habe aber eine Diskussion in Gang gesetzt, sagt Kolb. Andere Kulturschaffende hielten die Forderungen der Initiative indes für falsch. Frank Thöner vom Verein Kulturbahnhof sagt: „Wir im Bahnhof freuen uns auf Fraunhofer. Der Neubau ist toll für das gesamte Quartier.“

Von Matthias Lohr

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