Ortsbeirat Nord-Holland stimmt zu

Weg frei für Umbenennung der Walter-Hecker-Schule

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Neuer Namenspatron: Die Walter-Hecker-Schule an der Schillerstraße soll im August nach Arnold Bode benannt werden. In unserer Montage haben wir den Schriftzug an der Schulmauer schon einmal verändert. Noch steht dort Walter-Hecker-Schule

Kassel. Die Tage der Walter-Hecker-Schule sind gezählt: Die Berufliche Schule steht aber nicht etwa vor dem Aus, sondern sie bekommt einen neuen Namen. Ab August wird die Schule an der Schillerstraße sich nach Arnold Bode nennen.

Der Ortsbeirat Nord-Holland machte jetzt den Weg für diese Umbenennung frei. Mit neun Ja-Stimmen bei einer Gegenstimme befürwortete das Stadtteilparlament die neue Bezeichnung „Arnold-Bode-Schule“.

Die Schule erhofft sich von dem neuen Namenspatron nicht zuletzt einen Imagegewinn. Arnold Bode, Begründer der documenta, ist weit über Kassel hinaus bekannt. Die Beruflichen Schulen stünden heute auch im überregionalen Wettbewerb, sagte Schulleiter Harald Wellnitz. „Der Namensgeber einer Schule ist da durchaus so etwas wie ein Werbeträger.“

Diese Funktion habe Walter Hecker, nach dem die Schule seit 1956 benannt ist, allerdings nicht mehr. Die Person hinter dem Namen sei so gut wie niemandem bekannt. Walter Hecker war in den 1920er-Jahren in Kassel als Schulrat tätig. Dabei setzte er sich dafür ein, alle Berufsschüler gemeinsam zu unterrichten.

„Dieses Schulbild befürworten wir aber heute gar nicht mehr“, sagte Wellnitz. Stattdessen habe sich die Schule, deren Wurzeln bis ins Jahr 1902 zurückgehen, immer weiter auf bestimmte Berufsbilder spezialisiert. So wird heute an der Hecker-Schule nur noch für Bau- und Gestaltungsberufe ausgebildet.

Da sei der gebürtige Kasseler Arnold Bode die ideale Identifikationsfigur, so Wellnitz. Arnold Bode stammte aus einer Zimmermannsfamilie und war später unter anderem als Künstler und Kurator tätig.

Schüler, Elternschaft und Lehrerkollegium hätten sich bei einer Befragung 2012 mit sehr großer Mehrheit für die Umbenennung in Arnold-Bode-Schule ausgesprochen, berichtete der Schulleiter. Im Ortsbeirat fiel das Meinungsbild ähnlich aus. „Arnold Bode hat es verdient“, sagt Ortsbeiratmitglied Dr. Helga Zöttlein. Für die Schule habe der neue Name Signalwirkung.

Bedenken äußerte der stellvertretende Ortsvorsteher Hannes Volz. „Ich finde es schade, wenn ein Name einfach verschwindet.“ Aus seiner Sicht gebe es nur einen Grund für eine Umbenennung: „Wenn ein Name untragbar geworden ist“. Als Beispiel nannte er die Benennung nach Nazi-Politikern während des Dritten Reichs.

Mit dem Vorschlag, doch mit einer Tafel oder Ähnlichem an Walter Hecker als früheren Namenspatron zu erinnern, rannte der Ortsbeirat offene Türen ein. Es gebe bereits die Idee, auf einer Klinkerwand in großen Lettern zu schreiben „Arnold-Bode-Schule, vormals Walter-Hecker-Schule“, sagte Schulleiter Wellnitz.

Bis sich der neue Name im Sprachgebrauch durchsetzt, wird es wohl ohnehin etwas dauern. Ortsvorsteherin Monika Sprafke sagte: „Für meine Generation wird es immer die Walter-Hecker-Schule bleiben.“

Zur Person: Arnold Bode

Mehr zu Arnold Bode erfahren Sie im Regiowiki der HNA.

Arnold Bode (1900-1977) ist in Kassel geboren. Seine Familie hatte eine Zimmerei in der der Nordstadt. Bode studierte an der Kasseler Kunstakademie und war später als Maler und Dozent tätig. Während der Nazi-Zeit hatte er Berufsverbot, seine Kunst galt als entartet. Nach dem Krieg hatte er die Idee zu einer internationalen Kunstausstellung in Kassel: Die erste documenta fand 1955 statt. Bode leitete bis zu seinem Tod noch drei weitere documenta-Ausstellungen.

Zur Person: Walter Hecker

Über Walter Hecker (1871-1933) ist nur wenig bekannt. Von 1921 bis zu seinem Tode war er in Kassel als Oberregierungs- und Gewerbeschulrat beschäftigt. In Fachkreisen wurde er wegen seiner Überlegungen für den Fachunterricht in gemischt beruflichen Klassen bekannt.

Von Katja Rudolph

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