Freibad-Debatte: Welche Partei geht hier baden?

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Noch steht es Badegästen offen: Bis zum Jahresende entscheiden die Stadtverordneten, ob das Freibad Harleshausen saniert wird.

Kassel. Diese Frage bewegt viele Menschen: Sollen die Freibäder in Bad Wilhelmshöhe und Harleshausen saniert werden oder ist das zu teuer? Die Stadtverordneten werden bis zum Jahresende entscheiden - wir zeigen, wo die Fraktionen in der Debatte stehen.

Eigentlich ist alles klar: Es gibt seit Jahren einen Beschluss der Stadtverordneten, wonach die Bäder in Bad Wilhelmshöhe und Harleshausen saniert werden. Warum wird jetzt wieder diskutiert? Ein Grund sind die Kosten - der Beschluss wurde auf der Basis von Gutachten gefasst, die im wahrsten Sinne des Wortes nicht in die Tiefe gingen. Nach weiteren Untersuchungen ist für Kämmerer Dr. Jürgen Barthel (SPD) klar: Die Sanierung beider Bäder kostet zehn Millionen Euro. Das ist ihm zu teuer. Dadurch gerät aber nicht nur seine Partei in Erklärungs- und Abstimmungsnöte.

SPD: Die Sozialdemokraten waren anfangs „grundsätzlich dafür“, beide Bäder zu erhalten. Dass mit Barthel ein SPD-Politiker den Erhalt erstmals öffentlich infrage gestellt hatte, sorgte für Ärger in der Partei. Mittlerweile gibt es jedoch einige in der Fraktion, die das Kosten-Argument übernommen haben - sich also vorstellen können, die Bäder zu schließen. Zumindest Wilhelmshöhe ist auch nicht der Stadtteil, in dem die SPD ihre Wähler hat. Viele von denen leben im Kasseler Osten, und dort wurde bereits das Hallenbad geschlossen.

Grüne: Sie beharren nach außen auf dem Beschluss, beide Bäder zu sanieren, deuten aber intern Kompromissbereitschaft mit ihrem Partner SPD an: Die Kooperation soll nicht an der Bäderfrage scheitern. Kommt es zum Schwur, dürften die Grünen sich für den Erhalt des Bades in Wilhelmshöhe starkmachen. Dort stellen sie die Ortsvorsteherin.

CDU: Die Union fordert den Erhalt beider Bäder, würde dafür Abstriche bei der Sanierung der Oberen Königsstraße machen. Die kostet aber viel weniger als zehn Mio. Euro. Die Linke sammelt übrigens in Harleshausen und Bad Wilhelmshöhe, zwei Stadtteilen mit vielen CDU-Wählern, Stimmen für den Erhalt der Bäder. Auf diese Idee ist die CDU nicht gekommen - sie schlägt aus den Problemen der Mehrheitsfraktionen kein politisches Kapital.

Die Linke: Siehe unter CDU - die Linken stellen sich als diejenigen dar, die den Bäder-Rettungsring in den Stadtteilen der besser Betuchten werfen. Sie würden ebenfalls auf die Sanierung der Fußgängerzone verzichten, außerdem auf die Medizin-Uni.

FDP: Die Liberalen schauen aufs Kombibad am Auedamm und aufs Geld - wenn das neue Bad läuft, werden die Stadtteil-Bäder nicht mehr gebraucht, lautet die Meinung der Fraktion. In den Stadtteilen gibt es aber auch andere Stimmen innerhalb der FDP. Das gilt übrigens für alle Parteien: Je näher man am Beckenrand von Wilhelmshöhe oder Harleshausen liegt, desto größer ist der Wunsch zur Sanierung.

Piraten: Sie fordern den Erhalt beider Bäder und einen Bürgerentscheid über die Frage, ob saniert oder neu gebaut werden soll.

Von Uli Hagemeier

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