Der Ton in den Freibädern ist rauer geworden

Vom Essen bis zum Pinkeln: Das müssen Freibadbesucher wissen

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Sommervergnügen: Besucher im Kasseler Auebad.

Derzeit tummeln sich die Menschen im Freibad. Damit nehmen auch die Konflikte zu. In Brühl gab es zuletzt Randale wegen einer Chips-Tüte. Dabei ist es einfach, sich an einige Regeln zu halten.

Schwimmmeister leben bisweilen gefährlich. In Brühl bei Heidelberg wurde ein Aufseher gerade von einem Badegast verprügelt. Der Besucher hatte am Beckenrand Chips gegessen und wollte nicht einsehen, dass das nicht erlaubt ist. Er rastete aus, fügte dem Schwimmmeister unter anderem eine Platzwunde sowie Prellungen zu und flüchtete. Essen am Beckenrand gehört sich natürlich nicht. Was man noch wissen sollte, wenn man ins Freibad geht.

Gibt es in Freibädern immer mehr Konflikte?

Das kann man so nicht sagen. Der Mann, der in Brühl ausrastete, ist erst einmal ein Einzelfall. Im Berliner Columbiabad würde er wahrscheinlich gar nicht auffallen. Die Einrichtung zwischen Volkspark Hasenheide und Tempelhofer Feld im Stadtteil Neukölln gilt als berüchtigstes Freibad der Republik. Wenn dort wieder etwas passiert ist, titelt der Boulevard: "Messer, Prügel, Polizeieinsätze."

So etwas gibt es in der Redaktion Gott sei Dank nicht. Jens Herbst, Leiter aller Kasseler Bäder, hat jedoch festgestellt, dass der Ton rauer geworden ist: "Die Ausdrucksweise ist wesentlich aggressiver als noch vor zehn Jahren. Das merkt man nicht nur bei Jugendlichen, wenn man sie auf ihr Fehlverhalten anspricht, sondern auch bei älteren Besuchern."

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattfrom Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Darf ich im Freibad essen?

Natürlich - allerdings nicht überall. An einen Chips-Esser im Kasseler Auebad kann sich Herbst nicht erinnern, aber "es gibt immer wieder Leute, die Nahrung am Beckenrand zu sich nehmen oder auch rauchen. Das sehen wir nicht so gern." Die meisten seien jedoch einsichtig, wenn man sie darauf hinweist, sagt der 52-Jährige.

Darf ich vom Beckenrand springen?

Jein. Fast jedes Freibad hat Zonen, in denen es erlaubt, und andere, in denen es verboten ist. Thomas Chwalek, der seit 26 Jahren Schwimmmeister in Immenhausen im Reinhardswald ist, schätzt, dass er keinen Satz in seinem Leben öfter gesagt hat als diesen: "Bitte nicht vom Beckenrand springen."

Seine Kollegen im Kasseler Auebad und im Freibad Wilhelmshöhe, das von testberichte.de gerade zum besten Freibad Hessens gekürt wurde, drücken bisweilen ein Auge zu, wenn jemand ins Wasser gesprungen ist und dort gerade niemand schwimmt. "Es kommt immer auf den Einzelfall an", sagt Herbst. Bademeister, wie Schwimmmeister umgangssprachlich genannt werden, haben einen Ermessensspielraum wie Fußball-Schiedsrichter. "Nur gibt es bei uns keinen Videobeweis", scherzt Herbst.

Jens Herbst

Wie laut darf ich Musik hören?

Auch hier gibt es keine eindeutige Antwort. Grundsätzlich darf man etwa auf der Wiese im Kasseler Auebad Musik hören und sogar selbst machen, wenn man beispielsweise eine Gitarre mitbringt. "Wenn es leise ist, haben wir nichts dagegen", sagt Herbst. Fühlt sich jemand gestört, greifen seine Mitarbeiter ein: "Es geht immer um gegenseitige Rücksichtnahme."

Darf ich im Freibad fotografieren?

Das kommt auf das Freibad an. In manchen Städten ist es mittlerweile verboten, Smartphones mitzunehmen. Dort werden die Taschen am Eingang kontrolliert. Im Kasseler Auebad sind die Alleskönner-Handys dagegen nicht grundsätzlich verboten. Bei wenig Betrieb können Eltern ohne Probleme filmen, wie ihr Kind zum ersten Mal vom Dreimeterbrett springt. Die Wahrscheinlichkeit, dass andere Besucher auf den Aufnahmen sind, ist gering. An sonnigen Sommertagen, wenn bis zu 5000 Besucher in das Bad an der Fulda strömen, wird das unterbunden. "Da schreiten wir von uns aus ein, denn jeder hat ein Recht am eigenen Bild", sagt Herbst.

Dürfen Frauen sich oben ohne sonnen?

Ja, nur macht es kaum noch eine Frau. "Wir hatten schon lange keinen Fall mehr. Die wenigsten haben offensichtlich noch das Bedürfnis, sich in einem Freibad oben ohne zu sonnen. Das ist anders als in den 80er-Jahren", sagt Herbst. Beschwert sich jemand über hüllenlose Gäste, fragen die Auebad-Mitarbeiter, ob der Busen wieder bedeckt werden kann.

Darf ich ins Wasser pinkeln?

Gegenfrage: Warum sollte man das nicht? Der US-Schwimm-Olympiasieger Michael Phelps sorgte einst für Aufsehen, als er bekannte: "Ich glaube, dass jeder ins Becken pinkelt. Wir Schwimmer machen das ständig." Dafür spricht eine Studie kanadischer Wissenschaftler. Sie fanden heraus, dass in einem 50-Meter-Becken durchschnittlich 75 Liter Urin sind. Auf 11.000 Liter Wasser kommt somit ein Liter Urin.

Immer wieder ist von Chemikalien die Rede, die angeblich Harn im Wasser sichtbar machen können. Der Kasseler Experte Herbst kennt so einen Stoff nicht, der das Wasser verfärben soll. Er hofft, dass "keiner unserer Gäste ins Becken pinkelt. Aufgrund unserer modernen Filteranlagen wäre das aber auch kein Problem mehr." Besuchern, die grundsätzlich wissen wollen, wie sauber ein Schwimmbad ist, rät er, ins Wasser zu schauen: "Sieht man deutlich den Beckenboden, ist das ein erstes gutes Zeichen."

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