Freibad Wilhelmshöhe: Öffentliche Anhörung mit Kritik am Planungskonzept

Kassel. Trotz der Verdoppelung der veranschlagten Kosten favorisiert wohl die Mehrheit der Bürger eine Sanierung des maroden, technisch veralteten Freibads Wilhelmshöhe statt eines Neubaus.

Dieses Meinungsbild vermittelte die öffentliche Anhörung des Ausschusses für Finanzen, Wirtschaft und Grundsatzfragen mit Experten und Bürgern im Bürgersaal des Rathauses.

Laut Karsten Luttrop-Bauer von der KVV Bau- und Verkehrsconsulting Kassel wäre ein neues Bad in abgespeckter Version für 4,85 Millionen Euro zu haben, während die Sanierung des 76 Jahre alten Bades 6,1 Millionen kosten würde. Bäderdezernent und Kämmerer Dr. Jürgen Barthel (SPD) hatte zum Auftakt der Sitzung zur Sparsamkeit gemahnt. Der Stadt fehlten 50 Millionen Euro im Haushalt, er wünsche sich, dass mehr „neutrale Steuerbürger“ zu Wort kämen.

Diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Aus dem etwa 80-köpfigen Publikum gab es nur Kritik an den Vorschlägen der Planer, das Schwimmerbecken zugunsten eines Wassererlebnisbeckens zu verkleinern. Das 50-Meter-Becken müsse erhalten bleiben, sonst blieben die vielen Sport- und Gesundheitsschwimmer weg, sagte Klaus Berkermann. Das geplante 25-Meter-Becken mit fünf Bahnen sei für diese Gruppe nicht attraktiv. „Das wäre nicht so toll“, unterstützte ihn Dorothea Bolz. „Das ist reichlich fantasielos“, kritisierte Heike Haschen die Pläne. Ihre Kinder gingen gerade wegen des großen Beckens ins Bad. Unterstützung bekamen sie vom Sportwissenschaftler Dr. Andreas Albert von der Uni Kassel. Die Sportlehrer müssten schon nach Vellmar und Baunatal ausweichen, auch der Schulsport komme zu kurz. Das wies Barthel zurück. Viele Schulen nutzten die angebotenen Schwimmtermine kaum, sagte er. Barthel wehrte sich gegen Vorwürfe aus dem Publikum, bei den Bädern wolle die Stadt sparen, während sie für den Hessentag Geld verpulvere. „Als Zuschussgeschäft hätten wir das nicht gemacht“, sagte er.

Verhärtet sind die Fronten, was den Erhalt des Cafés angeht. Während der Förderverein des Bads und der Ortsbeirat Bad Wilhelmshöhe es mit dem Bad zusammen als historisches Ensemble erhalten will, halten es die Planer für verzichtbar. Besucher Gert Bieler plädierte dafür, „dass nun schnell etwas passiert“. Er fürchte, die Kosten würden weiter steigen, wenn noch lange diskutiert werde. Diese Sorge hat auch Brigitte Borbein, CDU-Mitglied im Ortsbeirat. Sie möchte wissen, wie viele Planungskosten schon angefallen sind und noch drohen.

Sorge in Harleshausen

Nach Wilhelmshöhe soll das Freibad Harleshausen saniert werden. Sie hoffe, dass dafür nicht gelte: „Den Letzten beißen die Hunde“, sagte Anita Mahrt, Vorsitzende des Fördervereins. Sie plädierte für eine Renovierung mit Augenmaß. Der Verein werde sich daran notfalls finanziell beteiligen. (pdi)

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