Das schlechte Wetter hat Folgen: Bäder, Biergärten und Eiscafés sind leer

Freie Bahn für Schwimmer

Zwei Mann in einem Becken: Dieter Trinkaus (links) und Ulrich Spengler hatten gestern Mittag im Freibad Harleshausen jede Menge Platz zum Schwimmen. Foto:  Koch

Kassel. Ein Sommermärchen, wie es für dieses Jahr von einigen Menschen voreilig prophezeit wurde, gab es in Deutschland nicht. Das Wetter ist seit Wochen so durchwachsen, kalt und feucht, dass man meint, der Herbst hätte begonnen. Die Witterung hat Auswirkungen auf verschiedene Branchen. Wir haben uns umgehört.

Eisdielen

Als mangelhaft bezeichnet Salvatore Caccuri vom Eiscafé Gelato an der Friedrich-Ebert-Straße den Umsatz der vergangenen Wochen. Derzeit kommen etwa 60 Prozent weniger Kunden als an heißen Sommertagen. „Wir hoffen auf warme Wochen im August und September und auf einen goldenen Oktober“, so Caccuri. Ähnlich sieht es beim Eiscafé Cortina an der Wilhelmshöher Allee aus. Im April und Mai wurde dort laut Tatjana Litwin noch viel mehr Eis bestellt. Jetzt bestellen Kunden eher Kaffee oder Cappuccino.

    Biergärten

Auch Bojana Rezaei vom Restaurant La Vela Bianca in der Wilhelmshöher Allee beklagt schlechte Umsätze wegen des nass-kalten Der Biergarten des Restaurants sei besonders in der vergangenen Woche „katastrophal“ leer gewesen. Dieses Jahr wird dort kein Eis angeboten. „Bei solchem Wetter lohnt sich das nicht“, sagt Rezaei. Der Biergarten der Kneipe Wolpertinger in der Hafenstraße bleibt bei schlechtem Wetter ganz geschlossen, teilte die Inhaberin Heike Anthis auf Anfrage mit.

Freibäder

„Wenn der Trend anhält, wird das Jahr 2011 ein sehr trauriges Freibad-Jahr“, sagt Heidi Hamdad, Sprecherin der Städtischen Werke. Seit Saisonstart haben lediglich knapp 48 000 Menschen die Freibäder in Bad Wilhelmshöhe und Harleshausen besucht. Das sei unterdurchschnittlich, vor allem der Juli sei sehr schwach gestartet. „Wir vermuten als Ursache das recht kühle Wetter. Unser Spitzentag in dieser Saison war der 28. Juni mit mehr als 4000 Besuchern in Wilhelmshöhe und Harleshausen. An diesem Tag haben wir 32 Grad gemessen“, sagt Hamdad. Allerdings sei bei den schlechten Besucherzahlen auch zu berücksichtigen, dass das Auebad geschlossen ist und nicht jeder, der bisher das Freibad an der Fulda besucht hat, wechsele jetzt in eines der beiden weiteren Freibäder.

Die Aufzeichnungen der Besucherzahlen reichen bis zum Jahr 1959 zurück. Das Rekord-Besucherjahr in den Kasseler Freibädern war 1971 mit mehr als 870 000 Gästen. Der Ausreißer nach unten war das Jahr 1996 mit etwa 102 000 Besuchern. Im vergangenen Jahr wurden 133 853 Gäste in den Freibädern gezählt.

    Open-Air-Kino

„Es ist einfach nur grauenhaft“, sagt Ellen Herold-Witzel vom Open-Air-Kino im Hof des Dock4. „Bislang ist es die zweitschlechteste Saison, seitdem wir eine Statistik führen.“ Nur im Jahr 2000 sei der Open-Air-Sommer noch mieser gewesen. Während im Vorjahr zum jetzigen Zeitpunkt schon 6000 Besucher Filme unter freiem Himmel geschaut hatten, gab es in diesem Sommer erst 2650 Besucher. Bis auf zwei gute Abende kämen meist nur 30 bis 70 Zuschauer ins Open-Air-Kino. Zum Teil reiche das nicht einmal, um die Filmmieten zu zahlen, sagt Ellen Herold-Witzel. Dennoch freue man sich, dass es eine Handvoll treuer Besucher gebe, die bei Wind und Wetter den Weg ins Freiluft-Kino fänden.

Kultursommer

Über schöneres Wetter würde sich zwar auch der Kultursommer Nordhessen freuen. Dennoch habe man bisher Glück gehabt , sagt Sprecherin Silke Bierwirth. „Bisher mussten wir erst eine Veranstaltung nach drinnen verlegen, und die war ausverkauft.“ Auch die Regencapes, die bei allen Veranstaltungen unter freiem Himmel vorgehalten würden, habe man erst einmal bei Nieselregen austeilen müssen. Auf die Besucherzahlen habe das Wetter bislang keine Auswirkungen gehabt. „Unser Publikum ist gut gerüstet, viele kommen mit Wolldecken, Sitzkissen und Regenjacken.“ Ein bisschen mehr sommerliches Flair würde sich der Kultursommer natürlich trotzdem wünschen.

Grimm-Festival

Bei dem Musical „Lost – Hänsel und Gretel“ sind zwar nach Angaben von Peter Zypries, Vorsitzender des Brüder-Grimm-Festivals Kassel, bislang 12 000 Eintrittskarten verkauft worden. Das seien aber weniger als erhofft. Vor allem bei den Nachmittagsvorstellungen würden bei schlechtem Wetter 30 Prozent weniger Karten verkauft. Wer aber im Vorverkauf Karten bestellt habe, komme auch bei Regen oder Kälte. „Die meisten Besucher sind gut vorbereitet, sie kommen in Regenjacken und mit Wolldecken unterm Arm“, sagt Zypries.

(sdl/rud/use)

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