Aktion am Wochenende

Bei einer Eins gibt's freien Eintritt: Kasseler Bäder wollen Schüler mit Benimm belohnen

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Rücksicht ist unter Badegästen gefragt: Je voller das Schwimmbad, desto höher das Konfliktpotenzial. Das Foto entstand am zweiten Geburtstag des Auebads im Jahr 2015.

Kassel. Die Städtischen Werke wollen jetzt Schüler belohnen, die wissen, was sich gehört. Wer beim Sozialverhalten eine 1 vorweisen kann, der darf umsonst in eines der Kasseler Bäder.

Da passt es ja, dass es am heutigen Freitag Zeugnisse gibt. Wer beim Sozialverhalten eine 1 vorweisen kann, der darf umsonst in eines der Kasseler Bäder, teilt Sprecher Ingo Pijanka mit. Die Aktion gilt ausschließlich vom 22. bis zum 24. Juni. Und die Freikarte gilt auch nur im Schwimmbereich. Die Sauna des Auebads ist ausgenommen.

Wie gehts? Einfach Handyfotos oder Kopien des Zeugnisses und Schülerausweises an der Kasse eines der Schwimmbäder vorzeigen. Und schon gibt es eine Tageskarte umsonst. Aber Achtung: Der Name und das Schuljahr müssen deutlich erkennbar sein. 

Wie wichtig gutes Benehmen im Schwimmbad ist und welche Defizite manche Besucher haben, darüber sprachen wir mit Jens Herbst, Leiter der Abteilung Bäder bei den Städtischen Werken.

Belohnen Sie gutes Benehmen, weil sich viele Menschen in den Bädern nicht mehr benehmen können?

Jens Herbst: Dass der Umgangston etwas rauer wird, kann man, denke ich, schon feststellen. Also auch bei uns in den Schwimmbädern.

Jens Herbst

Das fängt damit an, dass einige Gäste nicht mehr auf unsere Mitarbeiter hören. Wenn unsere Rettungsschwimmer und Fachangestellten für Bäderbetriebe zum Beispiel darauf hinweisen, dass das Springen vom Beckenrand nicht erlaubt ist, bekommen sie mitunter die Antwort: Du hast mir gar nichts zu sagen. Manche Antworten sind noch schlimmer. Wenn wir Frauen als Aufsicht haben, kommt es vor, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen gar nicht auf sie hören. Aber zum Glück sind das nur Einzelfälle.

Ist schlechtes Benehmen im Bad häufiger geworden?

Herbst: Im Laufe der Jahre schon. Als ich vor 20 Jahren noch selbst am Beckenrand gearbeitet habe, war der Umgang noch respektvoller. Wenn man damals etwas zu einem Badegast gesagt hat, wurde das akzeptiert und es gab keine Diskussionen mehr. Heute diskutiert nicht nur der Betroffene mit unseren Mitarbeitern, sondern eine ganz Gruppe mischt sich ein.

Wo gibt es besonders Konflikte im Bad?

Herbst: Wir haben Schwimmer, die beharren darauf, ihre Bahnen zu schwimmen und weigern sich zum Beispiel, Rückenschwimmern auszuweichen. Das Konfliktpotenzial im Becken ist groß. In Harleshausen und im Auebad haben wir in der Regel Bahnen für schnellere Schwimmer abgetrennt. Dennoch kommt es zu Interessenskonflikten zwischen aktiven Schwimmern und Senioren, die gern in Gruppen im Wasser unterwegs sind. Senioren haben sich auch schon beschwert, dass durch zu schnelle Schwimmer ihr Gesicht nass gemacht worden ist. Jeder hat seine Bedürfnisse, die er durchsetzen will. Manche sind dabei aggressiver, andere konsensorientierter.

An der großen Rutsche im Auebad sollte man schon durchsetzungsfähig sein, um auch mal dran zu kommen.

Herbst: Da haben wir Jugendliche, die sich vordrängeln oder auch Leute, die ihre Reifen, die zum Rutschen erforderlich sind, nicht weitergeben. Manche versuchen auch, mitten in der Rutsche anzuhalten. Andere Gäste rutschen dann auf sie drauf. Das ist sehr unangenehm, da es auch zu Verletzungen kommen kann.

Wann gibt es besonders viel Stress?

Herbst: Naja, Stress, das ist doch ein wenig übertrieben ausgedrückt. Grundsätzlich ist die Stimmung aber schon von der Witterung abhängig. Je mehr Menschen sich im Bad aufhalten, desto größer die Konflikte. Zu uns kommen schließlich alle Bevölkerungsgruppen, die alle unterschiedliche Interessen haben. Wenn sich im Freibad Wilhelmshöhe 2500 Menschen aufhalten, muss das Ballspielen schon mal eingestellt werden.

In Wilhelmshöhe haben in der Nacht zum Mittwoch Unbekannte "Achtung Pipi" an den Beckenrand geschmiert. Macht das Urinieren ins Wasser Probleme?

Herbst: Nein. Wenn Harnstoff ins Becken gelangt, dann verändern sich zunächst die Wasserwerte. Durch unsere Aufbereitungsanlage wird das sofort desinfiziert und durch die Filteranlage komplett eliminiert. Da haben wir keine hygienischen Probleme.

Vor geraumer Zeit gab es wiederholt Beschwerden, dass sich Besucher unter der Dusche rasieren.

Herbst: Wir haben unsere Mitarbeiter dazu angehalten, dieser Sache nachzugehen. Die Fälle, dass sich Gäste im Bad einer Körperrasur unterziehen, sind seitdem sehr rückläufig.

Gibt es immer noch viele Badegäste, die im Wasser Unterwäsche tragen?

Herbst: Das ist zum Teil der Mode geschuldet. Bei jungen Männern gibt es den Trend, die Markenunterhose sichtbar unter der Badehose zu tragen. Das sehen wir aber zum Glück und weisen sie daraufhin, dass das nicht gestattet ist. Da gibt es aber auch häufig Diskussionen.

Debatten gibt es auch immer wieder im Saunabereich des Auebads wegen der Reservierung von Liegen.

Herbst: In unserer gut besuchten Sauna kommt diese Problematik immer wieder vor. Einige Gäste legen ihre Handtücher auf die Liegen und gehen in die Sauna. Andere, die einen Platz zum Ruhen suchen, finden das nicht gut. Unsere Mitarbeiter müssen die Handtücher von diesen Liegen immer wieder abräumen.

Wie sieht der ideale Badegast aus?

Herbst: Er nimmt Rücksicht auf die anderen Besucher und folgt den Hinweisen des Personals. Das sind ganz einfache Dinge. Ein netter Umgang mit den Mitmenschen bringt einen weiter. Und sei es in Form eines kostenlosen Eintritts ins Schwimmbad, wie jetzt bei der Aktion mit den Schülern, die eine 1 in Sozialverhalten bekommen haben.

Zur Person: Jens Herbst (52), geboren in Wolfhagen, hat zunächst in Kassel bei den Städtischen Werken Schwimmmeistergehilfe gelernt. Später kam ein Abschluss als Schwimmmeister dazu. Danach arbeitete Herbst in verschiedenen Badleiterfunktionen in Kassel: im Hallenbad Süd, Stadtbad Mitte und im Freibad Wilhelmshöhe. 2007 übernahm er die technische Leitung als Gesamtleiter aller Kasseler Bäder. Jens Herbst lebt mit seiner Frau in Habichtswald.

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