Künstler Danh Vo lässt Einzelteile in China als Kopie fürs Fridericianum nachbauen

Freiheitsstatue kommt nach Kassel

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Mit grüner Patina: Die Freiheitsstatue in New York.

Kassel. Kunst in Kassel wird nicht erst im documenta-Sommer 2012 international Schlagzeilen machen. Ab 1. Oktober wird der aus Vietnam stammende, dänische Künstler Danh Vo etwa ein Drittel einer Eins-zu-eins-Kopie der 46 Meter hohen Freiheitsstatue in New York im Fridericianum zeigen.

Allerdings zerlegt in Einzelteile. Das Kunstmagazin „Monopol“, in dem der Künstler das Geheimnis lüftete, spricht von einem der „wahnwitzigsten Projekte der zeitgenössischen Kunst“.

Die Container mit den bislang in einer Halle bei Schanghai nachgebauten, bis zu drei Meter großen Einzelteilen aus zwei Millimeter dünnem Kupferblech seien bereits verschifft worden, erläuterte gestern Kunsthallen-Direktor Rein Wolfs. Die Produktion werde „zum Glück“ über drei beteiligte Galerien von „einigen Leuten im Hintergrund“ bezahlt, sagt Wolfs - vor allem von Sammlern: „Man kann eine Falte vom Kleid oder ein Stück vom Finger der Freiheitsstatue kaufen.“ Transport sowie Auf- und Abbau würden von der Kunsthalle mitgetragen: „Die Finanzierung ist größtenteils gedeckt.“

Nach dem Paukenschlag zu Beginn, als Christoph Büchel 2008 das Museum unter anderem in eine Kneipe, einen Supermarkt und eine Parteienmesse verwandelte, habe ihm auch zum Ende seiner ersten „Spielzeit“ ein „großes Statement“ vorgeschwebt, sagt Wolfs - eines für die Freiheit. Das Projekt habe viele Facetten, es besitze Ambivalenzen und funktioniere auf unterschiedlichen Ebenen: in seiner politischen Bedeutung, aber auch als kritische Aussage über die Gigantomanie in der Kunst.

„Wir machen jetzt mal dieses wirklich wahnsinnige Projekt, und danach brauchen wir nie wieder über Größe zu sprechen und können uns den interessanten Fragen zuwenden“, sagt Danh Vo im „Monopol“-Interview. Darin äußert er sich fast ausschließlich zu den technischen Gegebenheiten. Es gehe ihm nur um die aufregenden Aspekte der Logistik, Ökonomie und Praktikabilität, weil das Projekt seine eigenen Regeln mache: „Es verlangt nach seinem eigenen Timing, seiner eigenen Struktur.“

Vergewaltigte Ikone

Die Bedeutung der Freiheitsstatue sei ohnehin gegeben: „Es ist so eine vergewaltigte Ikone, eine sogar verstümmelte, verschandelte Ikone.“ Die Idee von Unabhängigkeit und Immigration stehe aber in direktem Zusammenhang zu seinem eigenen Lebenslauf als Flüchtlingskind aus Vietnam und der Obsession seines Vaters, der seine Heimat in einem selbst gebauten Boot verließ: „Dieses Begehren, an einen besseren Ort zu gelangen, haben wir wahrscheinlich alle, mehr oder weniger.“ Er selbst sei „besessen von den Vereinigten Staaten“.

Neben den fertigen Teilen der Replik wird die Kunsthalle 20 Tonnen schwere unbearbeitete Kupferplatten zeigen, die eine Bielefelder Firma als Sponsor leihweise zur Verfügung stellt, sowie zwei kleinere Arbeiten Danh Vos. Die komplette Kopie der Freiheitsstatue soll 2013 das Musee d’Art Moderne in Paris zeigen, allerdings ebenfalls „nur in kollabiertem Zustand“.

Von Mark-Christian von Busse

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