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Freiluft-Café am Friedrichsplatz in Kassel bleibt erhalten

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Von: Axel Schwarz

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Unter dem Portikus vom Modehaus Sinn in Kassel geht die Bewirtung aus dem Kaffeemobil auch nach dem documenta-Ende weiter.

Kassel – Auch nach dem Ende der documenta fifteen bleibt der historische Portikus des Modehauses Sinn als nettes Freiluft-Café eingerichtet. Zumindest bis ins kommende Jahr hinein soll die gastronomische Oase mit Blick über den Friedrichsplatz in Kassel bestehen bleiben, haben das Modehaus und die Betreiber nach deren Angaben vereinbart.

Mit diversen Kaffeezubereitungen, Kleingebäck und Kaltgetränken sorgt das Kasseler Startup „The Flying Coffee“ für die Bewirtung. Die wird ambulant aus einem zum Kaffeemobil umgebauten Smart-Pkw vorgenommen. Mit der im Heck eingebauten Gastro-Kaffeemaschine plus Wassertank und Batterien an Bord kann der kleine Flitzer bis zu acht Stunden lang autark den Kaffeedurst des Publikums stillen.

Kassel: Drogenszene soll nicht auf Portikusfläche zurückkehren

Für solche Pausen wurde die Fläche unter dem Portikus mit gefälligen Outdoor-Möbeln ausgestattet. Wer sich dort auf ein Getränk niederlässt, dürfe sehr gern auch den eigenen Lunch für die Büro-Mittagspause mitbringen, sagt Unternehmensgründer Lars Lachmann. Mit Geschäftspartnern betreibt er „The Flying Coffee“ als bundesweites Franchisekonzept. Im Coronajahr 2020 gestartet, sind umgebaute Kaffee-Smarts inzwischen in 20 deutschen Städten unterwegs, tauchen an städtischen Treffpunkten, touristischen Sehenswürdigkeiten oder bei Veranstaltungen auf.

Logenplatz für den Kaffee mit Blick über den Friedrichsplatz: Von links Geschäftsleiterin Sabine-Amelie Gertner vom Modehaus Sinn sowie Anke Hartmann und Lars Lachmann von „The Flying Coffee“ während der documenta.
Logenplatz für den Kaffee mit Blick über den Friedrichsplatz: Von links Geschäftsleiterin Sabine-Amelie Gertner vom Modehaus Sinn sowie Anke Hartmann und Lars Lachmann von „The Flying Coffee“ während der documenta. © Privat

Die standortbezogene Kooperation mit Sinn in Kassel hat eine Vorgeschichte. Bevor „The Flying Coffee“ im documenta-Sommer dort aktiv geworden ist, hatte das Modehaus seinen Portikus schon eine Weile von einem anderen Partner als ambulantes Café bespielen lassen. Die Beweggründe, die von den Beteiligten recht diskret gehandhabt werden, liegen auf der Hand: Solange die wettergeschützte Portikusfläche nutzungsfrei blieb, wurde sie in der Vergangenheit umgehend von der innerstädtischen Trinker- und Drogenszene in Beschlag genommen – mit allerlei negativen Begleiterscheinungen wie Scherben, Urin, Pöbeleien gegen Passanten und Hausmitarbeiter.

Kassel: Freiluft-Café wird über Ethanol-Kamine beheizt

Als Freiluft-Café eingerichtet, stellt der säulenbestückte Portikus als einziges Überbleibsel des im Krieg zerstörten kurfürstlichen Residenzpalais jedoch einen attraktiven Logenplatz im innerstädtischen Getriebe dar. Zunächst hatte dort ein gastronomischer Betreiber die „Sinn Coffee Lounge“ eröffnet und die Bewirtung einige Zeit lang aus einem zusammenfaltbaren Container heraus organisiert. Das fand zuletzt aber nur noch sporadisch und wenig berechenbar statt, wie Passanten verfolgen konnten. Daher hatte sich das Modehaus nach einem anderen Partner umgesehen.

Beim Neustart habe auch der Denkmalschutz darüber gewacht, dass alles passt, sagt Franchise-Unternehmer Lachmann. Damit es auch an frischeren Tagen unterm Säulenportal gemütlich bleibt, seien mehrere Ethanol-Kamine als Wärmequellen aufgestellt worden. Kaffee und mehr gibt es in der „Flying Coffee Lounge“ montags bis samstags jeweils in der Zeit von 11 bis 19 Uhr. (Axel Hermes)

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