taz-Chefin Ines Pohl begrüßte Erstsemester in Göttingen

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Blick in 1000 junge Gesichter: Im vollbesetzten größten Hörsaal der Uni Göttingen forderte Ines Pohl (rechts) die Erstsemester auf, gesellschaftliche Zusammenhänge nicht aus den Augen zu verlieren.

Göttingen. Vor 25 Jahren kurvte sie selbst als Anfängerin durch die Stadt, jetzt war sie als Festrednerin geladen: Die Chefredakteurin der überregionalen Tageszeitung taz, Ines Pohl, nahm am Montag die offizielle Begrüßung der neuen Studenten an der Universität Göttingen vor.

Die 44-Jährige, die als Politikchefin und dann als Berliner Korrespondentin bis zum Jahr 2009 für die HNA tätig war, setzte die Tradition der Universität fort, dass prominente Ehemalige die Anfänger auf ihr Studium einstimmen.

„Es gibt kaum eine andere Stadt, die ihnen so viele Möglichkeiten bietet wie Göttingen“, versprach die Journalistin und blickte dabei in rund 1000 junge, erwartungsvolle Gesichter. Für die Begrüßung hatte die Hochschule mit dem Hörsaal 011 ihren größten Raum geöffnet. Er war voll besetzt. Insgesamt fangen in diesem Wintersemester nach Angaben der Uni rund 5500 Menschen ein Studium in Göttingen an, davon sind 4300 Erstsemester.

Pohl forderte in ihrem „Vom Recht auf Verschwendung“ betitelten Vortrag die Anfänger auf, sich Freiräume außerhalb des Studienbetriebs zu nehmen und dafür auch zu kämpfen. Sie selbst hat Skandinavistik und Germanistik studiert und einen Magister-Abschluss. Pohl kritisierte die straffen Lehrpläne für Bachelor- und Master-Studiengänge. Diese seien zwar effizient und effektiv. „Aber dieses Konzept ist engstirnig und falsch.“ Es sei außerdem ausgerechnet von jenen entwickelt worden, die ohne Studiengebühren und mit sehr viel Zeit hätten studieren dürfen.

„Nie wieder haben Sie die Möglichkeit in Ihrem Leben, so viel auszuprobieren“, schärfte sie den Erstsemestern ein. Bei ihren Auftritten bei Anne Will, Maybrit Illner und im Presseclub hätten ihr selbst die Erfahrungen aus der Theater-AG und vom Vorsingen mehr genutzt als altnordische Studien, sagte Pohl, die regelmäßig in TV-Talkshows zu Gast ist.

Sie ermahnte die jungen Menschen, gesellschaftliche Zusammenhänge nicht aus den Augen zu verlieren wie etwa die skandalösen Bedingungen, unter denen das im Westen begehrte iPhone in Fernost produziert worden ist. „Sie sind die Elite von morgen, die dieses Land weiter entwickeln wird und entwickeln muss“, erklärte sie, bevor sich die Erstsemester mit einem trommelnden Applaus von ihr verabschiedeten. „Es wird an Ihnen liegen, unsere demokratische Grundordnung zu bewahren.“

Die Uni-Präsidentin live

Bei der Erstsemester-Begrüßung erlebten die Anfänger die Präsidentin ihrer Universität, Prof. Dr. Ulrike Beisiegel, live, die sie zu Beginn ebenso willkommen hieß wie Göttingens Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD). Grußworte sprachen auch der Asta-Vorsitzende Kay Bents und der Geschäftsführer des Studentenwerks, Prof. Dr. Jörg Magull. Zwischendurch sorgte die A-capella-Band Seven up für im Takt schnipsende Finger. (coe)

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