Vorwürfe einer Frau ließen sich nicht erhärten

Freispruch für Finanzmakler

Kassel. Mit einem Freispruch endete nun das Verfahren gegen einen 59-jährigen Finanzmakler aus dem Schwalm-Eder-Kreis, gegen den wegen des Verdachts der Untreue ermittelt wurde.

Nach einem Verfahren, in dem der Angeklagte von dem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machte und in dem die Hauptzeugin kaum verwertbare Angaben zur Sachlage machen konnte, blieben am Ende mehr Fragen als Antworten.

Der 59-Jährige, der in Kassel und Umgebung als Finanzmakler tätig ist, soll vor fünf Jahren von der heute 41 Jahre alten Kasselerin 82 500 Euro bekommen haben. Er sollte für seine Auftraggeberin eine Eigentumswohnung kaufen und den Rest gewinnbringend anlegen, hieß es in der Anklageschrift. Aktenkundig wurde die Sache, weil, wie es der Staatsanwalt in der Anklage formulierte, der 59-Jährige weder eine Wohnung suchte noch einen Teil des Geldes anlegte. Eineinhalb Jahre später, am 22. September 2011, soll der Finanzmakler nicht in der Lage gewesen sein, das Geld zurückzugeben. Am 26. September 2011 zeigte die 41-Jährige den Finanzmakler an.

Nach dem Tod der Mutter im Jahr 2009 war ihr Elternhaus in Witzenhausen verkauft worden, auf Anraten ihrer damaligen Betreuerin, das berichtete die Hauptzeugin. Während der Verhandlung vor dem Amtsgericht Kassel war sie nicht in der Lage zu beschreiben, was genau passiert war. Sie konnte sich nicht erinnern, beim Notar die Unterlagen für den Verkauf unterschrieben zu haben, erinnerte sich nicht an den Verkaufspreis. Auch nicht daran, welche Beträge über ihr Konto und in bar geflossen waren. Ihre damalige Betreuerin, erklärte sie, sei die Ex-Schwägerin des Finanzmaklers. Insgesamt zeigte sich die 41-Jährige verwirrt, immer wieder liefen ihr Tränen über die Wangen.

Während der Befragung, in der sie häufig auf Nebenschauplätze abglitt, unkonzentriert und - wie es der Staatsanwalt bezeichnete - „inhaltlich blockiert“ wirkte, bekam sie keine zusammenhängende Geschichte zusammen, die die Anklage untermauerte. Sie bat mehrmals um eine Verschiebung der Verhandlung. Das lehnte das Gericht ab. Der erste Termin im Vorjahr war bereits verschoben worden, weil die 41-Jährige kurz vor der Verhandlung zusammengebrochen war.

Ihr gehe es nicht ums Geld, sagte sie. „Ich möchte, dass er bestraft wird.“ Gerechtigkeit können Sie nur kriegen nach einer umfangreichen Sachaufklärung, sagte Staatsanwalt Dr. Enrico Weigelt zur Hauptzeugin. „Wenn Sie das nicht können, wird der Angeklagte heute freigesprochen.“ Am Ende war das der Fall, weil die Beweise laut Staatsanwaltschaft für eine Verurteilung nicht ausreichten. (zal)

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa/dpaweb

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