Freispruch im Prozess um Angriff von KSV-Fans gegen Alvarez 

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Marcos Alvarez

Kassel. Im Prozess um Tritte und Schläge von KSV Hessen Kassel-Fans gegen den Eintracht Frankfurt-Spieler Marcos Alvarez gab es heute einen Freispruch für den Angeklagten Yannic W.

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Da niemand, selbst Alvarez nicht, den 28jährigen als möglichen Täter erkannt hatte, war Yannic W. nicht zu verurteilen, befand das Amtsgericht. Das Urteil ist rechtskräftig, da auf Rechtsmittel verzichtet wurde.

Marcos Alvarez war am Mittwoch, 1. September 2010, nach dem Spiel auf dem Weg zu seinem Auto angegriffen worden. Auch sein Vater und sein Großvater bekamen Schläge ab.

Die Polizei ermittelte schließlich mehrere Täter. Einer gestand einen Tritt gegen Alvarez. Er erhielt nach dem Jugendstrafrecht Auflagen. Gegen einen weiteren Mann wurden die Ermittlungen eingestellt, gegen einen Dritten gibt es noch ein Verfahren.

Update

Diese Meldung wurde um 15.30 Uhr aktualisiert

Im Laufe der Verhandlung hatte sich bereits abgezeichnet, dass Yannic W. freigesprochen werden würde. Niemand hatte ihn erkannt, die Zeugen aus dem Fan-Umfeld verhielten sich meist wie die drei berühmten Äffchen: Man hatte nichts gesehen, nichts gehört und sprechen wollte man vor Gericht am liebsten auch nicht viel. Zudem war die Beweislage äußerst dürftig.

Die Polizei hatte nach der Prügelei einen anonymen Anruf erhalten, in dem jemand den Namen Yannic nannte. Yannic W. hatte zu dieser Zeit außerdem eine Schramme im Gesicht. Die könnte, so die Vermutung, durch die Auseinandersetzung am Auestadion verursacht worden sein.

Doch Yannic W. präsentierte für die Verletzung eine plausible Erlärung: Sie stamme vom Spielen mit seinem Hund - der Mann besitzt einen Rottweiler. So blieb der Staatsanwaltschaft nach dem Ende der Beweisaufnahme nichts weiter übrig als einen Freispruch zu fordern: Es bestünden begründete Zweifel, dass Yannic W. der Täter sei. Die Indizien reichten nicht aus, um ihn zu überführen. Außerdem sei Yannic W. nicht in der gewaltbereiten Fan-Szene bekannt und somit der Polizei auch noch nicht aufgefallen.

Auch Verteidigerin Julia Legrand hatte natürlich einen Freispurch gefordert. Sie zeigte sich verwundert, dass angesichts der Beweislage überhaupt Anklage erhoben worden sei. Die Anwältin hofft nun für ihren Mandanten, dass er jetzt voll rehabilitiert wird. Denn: Allein die Anklage habe Yannic W. schon geschadet.

Der wohnt in einem kleinen Dorf und dort würde jeder darüber reden, dass er vor Gericht gestanden habe. Yannic W. ist zwar froh, dass er vom Amtsgericht jetzt freigesprochen wurde. Aber, so fürchtet der Mann: „Irgend etwas bleibt ja immer hängen.“

Von Frank Thonicke

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