Uni distanziert sich erneut von Kutscheras Thesen

Freispruch stößt auf Kritik

Ulrich Kutschera
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Ulrich Kutschera

Nach dem Freispruch für den Kasseler Biologieprofessors Ulrich Kutschera vor dem Landgericht geht die Universität Kassel in einer Pressemitteilung erneut auf Distanz zu ihrem Hochschullehrer. Auch aus der Politik gibt es kritische Reaktionen zu dem Urteil.

Kassel – Die Universität hatte schon mehrfach öffentlich Kritik an Kutscheras Äußerungen geübt. Sie habe „immer wieder deutlich gemacht, dass sie seine Thesen zur Ehe für alle und seine verächtlichen Statements über Menschen mit diversen Lebensentwürfen in jeder Hinsicht ablehnt“, heißt es in der Mitteilung der Uni.

Die Verurteilung Kutscheras im vergangenen Sommer vor dem Kasseler Amtsgericht „bestätigte die Auffassung der Hochschulleitung, dass mit den Äußerungen die Grenzen der Meinungsfreiheit deutlich überschritten wurden“, heißt es weiter. Dieses Urteil in einer Berufung überprüfen zu lassen, sei das Recht des Beklagten. „Dass die Verurteilung in der Berufung nun zurückgenommen wurde, hat die Hochschulleitung zur Kenntnis genommen“, so der Wortlaut der Pressemitteilung.

Der 66-jährige Biologe, der seit 1992 einen Lehrstuhl an der Uni Kassel hat, wird zum Ende des Monats in den Ruhestand gehen. Er werde aber ab April freiberuflich in den USA in Forschung und Lehre tätig sein, hatte Kutschera am Rande des Prozesses gegenüber der HNA bestätigt.

Enttäuscht zeigt sich der SPD-Bezirkschef und Bundestagsabgeordnete Timon Gremmels von dem Urteil. „Es macht mich wütend und traurig, dass sich in meiner weltoffenen Heimatstadt Kassel ein Universitätsprofessor ungestraft homophob und menschenverachtend äußern darf.“ Für ihn, so Gremmels, solle Artikel 1 des Grundgesetzes „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ Maßstab des Handelns sein.

Kutschera habe den Prozess als „Promo-Veranstaltung für seine Bücher“ genutzt, meint die Kasseler Linke. Entrüstet reagiert die Landtagsabgeordnete Heidemarie Scheuch-Paschkewitz auf das Urteil: „Menschenverachtende Aussagen gegen homosexuelle und queere Menschen können und dürfen nicht von der Wissenschaftsfreiheit gedeckt sein.“ Sie fordert „stringenteres Durchgreifen bei diskriminierendem Verhalten“.  rud/aha

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