Ansturm auf Zivi-Ersatz Bundesfreiwilligendienst sprengt Budget

Freiwilliger Dienst: Geld für Stellen fehlt

Kassel. Der Bundesfreiwilligendienst (BFD) ist so beliebt, dass schon jetzt fast alle verfügbaren Verträge für dieses Jahr vergeben sind. Die Anbieter könnten mehr Freiwillige einsetzen. Doch seitdem überraschend bekannt wurde, dass das Familienministerium keine zusätzlichen Stellen finanziert, werden auch in Kassel Bewerber abgewiesen.

Derzeit sind in der Stadt Kassel 48 Freiwillige im Einsatz. Im Landkreis sind es 72. Das teilte Roland Hartmann vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben mit. Zum Vergleich: 2001 haben in Nordhessen noch 10 000 junge Menschen ihren Zivildienst geleistet. Er wurde mit der Aussetzung der Wehrpflicht im vergangenen Juli durch den BFD ersetzt.

Während die Zahl der geschlossenen Verträge erfasst wird, gibt es keine Meldepflicht für Stellenangebote. Über die Platzbörse im Internet (www.bundesfreiwilligendienst.de) werden derzeit 40 Freiwillige in Stadt und Altkreis Kassel gesucht.

Nun herrscht Verunsicherung, und Angebot und Nachfrage geraten ins Stocken. So musste der Soziale Friedensdienst in Kassel in den vergangenen zwei Wochen bereits fünf von zehn BFD-Bewerbern absagen. Anderen Trägern geht es ähnlich. Von den 35 000 BFD-Stellen, die der Etat des Familienministeriums für 2012 vorsieht, sind 34 000 besetzt. Bundesweit wird mit 60 000 Bewerbern in diesem Jahr gerechnet. Der Bund zahlt monatlich 350 bis 450 Euro für jeden BFDler. Eine Aufstockung des Budgets sei aus Mitteln des Ministeriums nicht möglich. Wie viele Stellen in Kassel und anderswo noch besetzt werden können, sei unklar.

Die Regierung feiert das Interesse am BFD als Erfolg. „Es ging schleppend los, dann wurde die Welle größer, bis sie jetzt überschwappt“, sagte Hartmann. Kommunen und Sozialverbände fordern eine Aufstockung des BFD-Etats.

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Von Marcus Janz und Christina Hein

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