Engagement der Schüler wird belohnt

Freiwilliges Soziales Schuljahr startet in der Region - diese Möglichkeiten gibt es

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Wasser marsch: Die Jugendfeuerwehr Bad Karlshafen half im letzten Jahr mit, Wasser in das Hafenbecken zu bringen. Freiwillige Feuerwehren sind eine Möglichkeit für Schüler, sich zu engagieren.

In Kassel ist der Startschuss für das Freiwillige Soziale Schuljahr (FSSJ) gefallen. Wir erklären, was es damit auf sich hat und welche Möglichkeiten sich bieten.

Die Förderung von sozialem und ehrenamtlichen Engagement von Schülern ist das Ziel einer entsprechenden Vereinbarung zwischen der Stadt und dem Landkreis Kassel sowie dem Staatlichen Schulamt. Gleichzeitig könne eine offizielle Bescheinigung über das FSSJ bei der Ausbildungs- und Arbeitssuche von Vorteil sein.

Die Idee haben jetzt Kassels Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Ilona Friedrich, Landrat Uwe Schmidt sowie die Leiterin des Staatlichen Schulamts, Annette Knieling, vorgestellt. Im FSSJ sollen Schülerinnen und Schüler ab einem Alter von 14 Jahren die Chance erhalten, sich verbindlich ein Schuljahr lang in ihrer Freizeit für zwei Stunden in der Woche (80 insgesamt) freiwillig in sozialen Einrichtungen zu engagieren. Den Einsatzort sollen die Jugendlichen selbst wählen. Er kann in einem Altenheim, einer Kita aber auch bei der Freiwilligen Feuerwehr oder als Co-Trainer im Sportverein sein. Am Ende erhalten die Schüler ein Zertifikat. „Für Jugendliche, die sich um Ausbildungsstellen bewerben, ist ein solcher Nachweis für Unternehmen sehr interessant im Hinblick auf die Initiative und Motivation des Bewerbers“, sagt Dr. Thomas Fölsch, IHK-Bereichsleiter für Aus- und Weiterbildung.

Das Konzept wird jetzt unter anderem unter Beteiligung von Schüler- und Elternvertretern entwickelt. Im Schuljahr 2020/21 sollen die ersten Jugendlichen mit dem FSSJ beginnen. Ausgehend von allen Achtklässlern in der Stadt und dem Landkreis inklusive Förderschulen richtet sich das Angebot an 3440 Schüler auf 33 Schulen. Friedrich und Schmidt rechnen damit, dass sich schon zu Beginn eine dreistellige Zahl an Schülern für das FSSJ meldet.

Erfunden wurde das FSSJ in Bayern. Vor fünf Jahren hatte Friedrich, damals Jugendamtsleiterin im Werra-Meißner-Kreis, auch dort ein FSSJ installiert. Die Zahl der sich beteiligenden Schüler nimmt seitdem dort stetig zu.

Während des FSSJ werden die Jugendlichen begleitet und gefördert. Ein externer Dienstleister soll die Anwerbung der Schulen, Schüler und Träger übernehmen. Über eine Internetplattform kann man sich informieren und Kontakt aufnehmen. Für die Betreuung werde zunächst eine Vollzeitstelle eingerichtet. Es müssten für das erste Jahr 60 000 Euro Personalkosten eingeplant werden. Die Initiatoren rechnen mit einer Unterstützung durch das Land Hessen.

Schüler-Engagement wird belohnt

Mit Zuversicht und Erwartungen gehen die Stadt Kassel, der Landkreis sowie das Staatliche Schulamt gemeinsam in das Projekt Freiwilliges Soziales Schuljahr (FSSJ) Region Kassel. Landrat Uwe Schmidt bezeichnet es als ein „supertolles“ Vorhaben. Es komme dem Wunsch vieler junger Menschen entgegen, sich zu engagieren. Die Jugendlichen würden jetzt dabei durch eine Struktur unterstützt und begleitet.

Auch Bürgermeisterin Ilona Friedrich sagt: „Immer mehr Jugendliche sind bereit, sich für die Gesellschaft einzusetzen. Dieses Interesse soll mit dem FSSJ aufgegriffen und gefördert werden.“

Annette Knieling vom Schulamt weist darauf hin, dass es auch an den Schulen bereits beliebte Freiwilligenprojekte gibt, etwa die Buddy-Programme, bei denen es darum geht, füreinander da zu sein.

Die Vergangenheit haben laut Friedrich gezeigt, dass sich freiwillig Engagierte immer mehr von traditionellen Vereinsstrukturen lösen. Der Trend gehe in Richtung Spontan-Engagement. „Viele Vereine sind darüber besorgt, keinen Nachwuchs in der ehrenamtlichen Arbeit zu finden. Mit dem FSSJ haben sie die Chance auf eine regelmäßige Mitarbeit über einen längeren Zeitraum und im Idealfall auf ein Engagement über die Zeit des Programms hinaus“, so Schmidt.

Und diejenigen Schüler, die sich bereits ehrenamtlich einbringen, können jetzt mit einem Zertifikat belohnt werden: Falls die Jugendlichen bereits in einem Verein aktiv sind, kann dies in ein FSSJ umgewandelt werden.

Soziale Kompetenzen, beispielsweise die Fähigkeit zur Teamarbeit, seien in immer mehr Unternehmen von besonderer Bedeutung, so Friedrich. Indem Jugendliche bereits zu Schulzeiten in einem Team arbeiten und ihre Lernkompetenzen durch neue Aufgaben erweitern, bildeten sie diese Kompetenzen aus. Die Teilnahme an einem FSSJ zeige späteren Arbeitgebern, dass die Jugendlichen bereit sind, zusätzliche Aufgaben und Verantwortung zu übernehmen, die der Gemeinschaft zu Gute kommen.

Das kann Dr. Thomas Fölsch, Bereichsleiter für Aus- und Weiterbildung bei der IHK Kassel, bestätigen: „Ein freiwilliges soziales Schuljahr fördert aus Sicht der IHK wesentliche, auch in der Wirtschaft benötigte Kompetenzen, wie Eigenverantwortung, Teamfähigkeit sowie die Offenheit für neue Themen und Projekte.“

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