Michael Södel erhielt 19 Blutkonserven und 14 Plasmagaben nach Verkehrsunfall

Fremdes Blut rettete Michael Södel das Leben

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Geschafft: Michael Södel (links) hat die vorerst letzte Operation gut überstanden und Dr. Bodo von Ditfurth kann ihn ruhigen Gewissens entlassen.

Kassel. Ohne fremdes Blut wäre Michael Södel jetzt tot. Stattdessen freut er sich auf den ersten Geburtstag seines Sohnes. Rückblende: 25. Oktober 2009. Der 27-jährige Maschinist für Gleisbaumaschinen befindet sich mit dem Auto auf dem Rückweg von einer Baustelle in Frankfurt.

Kurz vor Kassel auf der Autobahn 7 kommt er von der Fahrbahn ab. An mehr kann er sich nicht mehr erinnern. „Notärzte haben ihn außerhalb des Fahrzeugs gefunden“, sagt Dr. Bodo von Ditfurth, leitender Oberarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädische Chirurgie am Klinikum Kassel.

In der Klinik diagnostizieren die Ärzte unter anderem schwere Kopfverletzungen, Wirbelbrüche vor allem an der Brustwirbelsäule, Lungenquetschungen und Rippenserienbrüche. „Die ersten zehn Rippen auf beiden Seiten waren gebrochen“, sagt von Ditfurth.

Der junge Mann aus Blankenburg im Harz erhält 19 Blutkonserven, 14 Blutplasmagaben und zwei Gaben Blutplättchen. Blutplättchen werden zur Blutgerinnung benötigt. „Häufig läuft aufgrund von Verletzungen Gewebewasser in die Blutbahn, das das Blut verdünnt“, erklärt der Oberarzt. Um die Blutplättchen zu gewinnen, ist ein großer Pool an Blutkonserven nötig.

Michael Södel wird in ein künstliches Koma versetzt. Ob er jemals wieder laufen kann, ist zu diesem Zeitpunkt unklar. „Nach drei Wochen habe ich erst realisiert, was mit mir los war“, sagt er.

Laut von Ditfurth werden in der Klinik etwa 120 Patienten mit solchen schwersten Verletzungen im Jahr behandelt. „Häufigste Ursachen sind Verkehrsunfälle und Stürze aus großer Höhe“, berichtet der Chirurg. Je nach Art der Verletzung müssten zum Teil 60 bis 80 Blutkonserven innerhalb weniger Tage verabreicht werden. Bei Beckenbrüchen oder Verletzungen des Brustkorbs kann ein Mensch laut von Ditfurth bis zu zwei Liter Blut verlieren, bei Verletzungen im Bauchraum sogar vier Liter. Ein gesunder Mensch hat zwischen fünf und sechs Liter Blut. „Wenn etwa ein gesunder Mann zwei Liter Blut innerhalb kurzer Zeit verliert, wird’s kritisch“, sagt er.

Im vergangenen Jahr wurden an das Kasseler Klinikum, das zusammen mit der Universität Göttingen als überregionales Traumazentrum zertifiziert ist, allein etwa 17 000 Blutkonserven geliefert. Das sagt Pressesprecherin Gisa Stämm.

Nach dem siebenwöchigen Klinikaufenthalt im Anschluss an den Unfall wurde Södel jetzt erneut operiert: Die Ärzte haben seine Wirbelsäule mit einem künstlichen Wirbel versteift. Am Freitag wurde er nach zehn Tagen entlassen. „Ich kann mich wieder so bewegen wie vorher“, sagt er, freut sich auf die Geburtstagsfeier mit seinem Sohn und dass er seinen Job weitermachen kann. Besonders dankbar ist all denen, die Blut gespendet haben, das ihm das Leben gerettet hat.

Und eins hat er sich für die Zukunft fest vorgenommen: „Ich werde regelmäßig Blut spenden“, sagt er. Doch damit muss er noch ein paar Wochen warten, bis er die Operation verkraftet hat.

Von Mirko Konrad

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